L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   F A L T B L A T T     0 3


Landschaftsverband Stade: Hier folgt der Text des Faltblattes Nr. 3 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:



Landkreis Verden:

Windmühlen, ein Wegstück der Vergangenheit


Der Landkreis Verden lädt Sie ganz herzlich zu einer „Mühlentour“ ein, die Sie mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto unternehmen können. Oder nutzen Sie die vom Landkreis angebotenen und organisierten Rundfahrten, auf die rechtzeitig in den Tageszeitungen aufmerksam gemacht wird. Wollen Sie die eine oder andere Mühle von innen sehen, so rufen Sie den Landkreis Verden als „Untere Denkmalschutzbehörde“ – Tel. 04231/15330 – an oder sprechen Sie mit dem Müller vor Ort.

Die nachstehenden Erläuterungen werden Sie hoffentlich in die richtige Stimmung versetzen.

Zwischen Elbe und Weser gehören die Windmühlen zu den landschaftsprägenden Bauwerken. Sie sind Denkmale der Technik, der Kultur- und Sozialgeschichte zugleich. Aus heutiger Sicht betrachten wir die sanierten Windmühlen als imposante technische Baudenkmale, die beeindruckend das Zusammenspiel von Kräften und den Anspruch der Nutzung von Naturgewalten dokumentieren. Nicht zu vergessen ist dabei das Handwerk des Müllers, der mit Windenergie das Korn zu Mehl mahlte. Das bedeutete harte Arbeit, Tag und Nacht war der Müller bereit, den Wind optimal auszunutzen.

Als der vom Wind unabhängige und in der Wartung günstigere Elektromotor um die Jahrhundertwende den Wind als Energieträger verdrängte, begann das große Mühlensterben. Der Landkreis Verden zählte 1961 noch 26 Windmühlen, von denen noch acht ausschließlich mit Windkraft betrieben wurden. 1984 war in keiner Windmühle mehr die Windkraft gefragt. Die Zahl der Mühlen, die noch als Torso vorhanden waren, stieg rapide an. Wieder einmal – diesmal bei den Mühlen – zeigte sich, daß Wandel auch Verlust bedeutet.

Heute drehen sich im Landkreis Verden wieder sechs sanierte Mühlen im Wind. Zwei von ihnen sind mit kompletter „Innentechnik“ erhalten, so daß wieder Korn mit Windkraft gemahlen werden kann.


Nach Abschluß der Sanierung im Jahre 1993 besichtigten mehr als 2000 Besucher die sanierte Windmühle in Schmomühlen (Bild ganz oben). Es muß wohl eine besondere Faszination sein, die von so einem Bauwerk ausgeht.

Nur ein Wegstück der Vergangenheit?


Aktive Denkmalpflege!


Aktive Denkmalpflege ist im Landkreis Verden seit nunmehr 14 Jahren ein fester Bestandteil zum Erhalt unserer Kulturlandschaft, in der Baudenkmale Zeitzeugen und Träger einer kulturellen Botschaft sind. Ca. 600 Baudenkmale – vom Erbhof Thedinghausen über das Schloß Etelsen bis hin zu unseren Windmühlen – spiegeln die Vielfalt menschlicher Lebensräume wider und machen Geschichte deutlich sichtbar.

Der Landkreis Verden hat es sich zur Aufgabe gemacht, Baudenkmale zu erhalten und Eigentümer im Umgang mit ihren Denkmalen durch Beratung bei Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen zu unterstützen.

Dennoch: Es bleibt noch viel zu tun. Die Pflege der historischen Bausubstanz erfordert auch in Zukunft große Anstrengungen, um unserer Region das über Jahrhunderte gewachsene „eigene Gesicht“ zu erhalten. Es ist unser aller Aufgabe, diese Kulturgüter zukünftigen Generationen als Zeugnisse der Geschichte weiterzugeben.



ERSTE WINDMÜHLEN IN EUROPA

Die früheste nachweisbare Datierung einer europäischen Windmühle stammt aus dem Jahre 1180. Wenngleich nicht auszuschließen ist, daß es auch schon vorher hier und da Windmühlen gegeben hat, so kann man dieses Datum doch als ziemlich zuverlässigen Richtwert betrachten. Vom Herzogtum Normandie ausgehend konnte sich die Windmühle rasch bis in den Süden Englands und nach Flandern ausbreiten. Jahreszahlen belegen dies: 1181 oder 1191 in England, 1190/97 in Flandern. Sehr wahrscheinlich waren diese ersten europäischen Windmühlen Bockwindmühlen, wie aus älteren Illustrationen und Beschreibungen zu schließen ist. Wenn die Jahresangabe stimmt, handelt es sich bei der Bockmühle in Landerzeel-Malderen in Brabant um die älteste der heute noch existierenden. Windmühlen können wie Baukästen auseinandergenommen werden, und man kann immer wieder betrachten, das im Laufe der Jahrhunderte nach und nach ältere morsche Holzteile gegen neue ausgetauscht wurden.

Links: Bockwindmühle mit drehbarem Mühlenhaus (grau)
Recht: Galerie-Holländermühle mit drehbarer Kappe (grau)

Von der alten Mühle war schließlich kein Originalteil mehr erhalten, und der Zimmermann oder Mühlenbauer übernahm einfach die alte Jahreszahl. Andere Mühlen brannten ab und wurden abgerissen, und an ihre Stelle wurde eine neue gesetzt, die häufig mit der Jahreszahl ihrer Vorgängerin versehen wurde. Daher stellt es leider aber keinen schlüssigen Beweis dar, wenn in einem der alten Balken , wie hier der Fall, eine Jahreszahl eingeritzt ist. – Immerhin ist interessant, daß es sich bei der Malderener Mühle um eine Bockmühle handelt.

Die Bockwindmühle stellt eine für die damalige Zeit geniale Erfindung dar. Den Unterbau bildet ein starrer, hölzerner Bock, zumeist aus Eichenbalken bestehend. Das ebenfalls hölzerne Mühlenhaus ist drehbar darauf gelagert. Dadurch wird erreicht, daß die Flügel, die sich am Mühlenhaus befinden, optimal in den Wind gerichtet werden können. Den Bockwindmühlen folgten gegen Mitte des 18. Jahrhunderts die aus Holland zu uns gekommenen „Holländerwindmühlen“.

Bei der Bockwindmühle wurde der ganze Bau mit Hilfe des „Steerts“ in den Wind gedreht, während bei der Holländerwindmühle nur die Haube oder Kappe drehbar ist, wobei die Flügel mit Hilfe des Steerts und später der Windrose in den Wind gebracht wurden.


SCHMOMÜHLEN

Mit dem Namen „Schmomühle“ wird die Windmühle auf der „Lintelner Geest“ westlich von Brunsbrock in Verbindung gebracht. Weniger bekannt ist, daß der Name „Schmomühle“ von einer Wassermühle kommt, die am Schmobach stand, ganz in der Nähe der heutigen Windmühle. Die Wassermühle stammte aus der Zeit um 1500. Zur Zeit des 30jährigen Krieges war Schmomühlen schon bekannt und im Schatzregister von 1663 aufgeführt.



Die Schmomühle vor (links) und nach der Instandsetzung (rechts).

Da der Schmobach immer weniger Wasser führte, wurde 1848 die heutige Windmühle errichtet. Bei der Windmühle handelt es sich um eine Galerie-Holländer-Windmühle mit einem bis zur Galerie massiv gemauerten Achteckrumpf. Der sich darüber anschließende Mühlenturm ist aus Holz gezimmert. Das Flügelpaar und die Mühlenhaube mit ihrer ungewöhnlichen Form – die Sparrenpaare wurden in einem „Kaiserstuhl“ zusammengefaßt – werden mit dem Steert in den Wind gedreht und die Flügel mit Segeltuch bespannt.

Da die Mühle zu verfallen drohte, wurde sie von 1990 bis 1993 unter der Bauleitung des Landkreises Verden als technisches Baudenkmal vollständig funktionstüchtig saniert.



Schärfen des Mahlsteins.



WINDMÜHLE ACHIM

Aus den Archiven ist bekannt, daß 1709 in Achim eine Bockwindmühle den Besitzer wechselte. 1761 wurde an der Stelle der Bockwindmühle die jetzt noch bestehende Holländer-Windmühle erbaut.

Die Mühle ist ein zweistöckiger Galerie-Holländer mit reetgedecktem Turm. Sie arbeitete mit zwei Mahlgängen und einem Walzenstuhl.

Am Anfang der Sanierung der Windmühle stand 1969 die Gründung des Achimer Mühlenvereins. Der engagierten Arbeit des Vereins ist zu verdanken, daß die Mühle auch heute noch das Stadtbild von Achim prägt.

Die Windmühle in Achim

WINDMÜHLE WESTEN

Weithin sichtbar steht die Windmühle am Ortsausgang von Westen Richtung Hülsen, leicht erhöht zur Allermarsch. Auf dem achteckigen massiv gemauerten Mühlenrumpf sitzt ein ebenfalls achteckiger, mit Schindeln bekleideter Mühlenturm. Der steinerne Rumpf wurde 1894 errichtet, das hölzerne Traggerüst des Turmes stammt von einer anderen Mühle und ist nach Angaben des Eigentümers über 300 Jahre alt.


Die Westener Mühle wurde zwischen 1989 und 1992 unter der Bauleitung des Landkreises Verden saniert und ist seither voll funktionsfähig. Die Galerie-Holländer-Windmühle arbeitet mit zwei Schrotgängen, wobei ein Mahlgang von einem aus den 20er Jahren stammenden Dieselmotor angetrieben wird.


Die Windmühle in Westen.




1 - Mühle Quelkhorn
2 - Heimathaus Irmintraut
3 - Amtshof Ottersberg
4 - Schloß Etelsen
5 - Mühle Holthum-Geest
6 - Windmühle Achim


SEITENANFANG

7 - Windmühle Brunsbrock
8 - Erbhof Thedinghausen
9 - Mühle Emtinghausen
10 - Windmühle Westen
11 - Rittergut Donnerhorst


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