Buxtehude:
Vom Kloster zur Stadt - eine historische
Wanderung
Herzlich willkommen zu einer Wanderung
durch die Geschichte der alten Hansestadt Buxtehude!
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1.
Der Weg bei nassem Wetter ist festes Schuhwerk zu
empfehlen beginnt am Klosterhof in Altkloster, dem Ort mit
der ältesten Siedlungstradition im Buxtehuder Stadtgebiet.
Etwa in diesem Bereich lag das 959 erwähnte Buochstadon.
Am Ufer der Este befand sich die Hude, eine
Schiffsanlegestelle, von der sich der 1135 erstmals bezeugte Name
Buchstadihude herleitet. An dieser Stelle gründeten
die Adligen Heinrich und Gerlach von Buxtehude sowie Floria, die
Gattin Heinrichs, das Benediktiner-Nonnenkloster Buxtehude, das
bedeutendste Frauenkloster an der Niederelbe. Grundmauern des
Klosters, das nach der Säkularisation durch die Schweden
1648 verfiel, wurden nach archäologischen Befunden
rekonstruiert und tragen zu einer reizvollen Platzgestaltung bei.
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 Altes
Kloster, rekonstruierte Grundmauern des Südflügels und
des südlichen Kreuzgangs.
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Überreste einer Kaianlage aus dem 16.
Jahrhundert wurden 1968 bei Ausschachtarbeiten für die am
Esteufer errichteten Terrassenwohnhäuser entdeckt,
vermutlich hatte sich an gleicher Stelle die Hude von
Buxtehude befunden.
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2.
Sie verlassen den Klosterplatz in Richtung Moisburger Straße
und überqueren die Este auf dem Estedamm. Seit erdenklichen
Zeiten staut er den Fluß zu einem Mühlenteich auf.
Schon in der Klosterstiftungsurkunde von 1196 wurden zwei Mühlen,
eine östliche und eine westliche, erwähnt. Der Estedamm
hatte im Mittelalter und der frühen Neuzeit große
Bedeutung für den Geestrandverkehr. Er ermöglichte den
Warentransport in Ost-West-Richtung über die ansonsten
unwegsame Esteniederung. Auf dem Gelände der heutigen
Großmosterei befand sich ehemals eine Papierfabrik.
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 Estedamm
und Mühlenteich. -
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Sie war aus einer im Jahre 1622 gegründeten
Papiermühle hervorgegangen und entwickelte sich im 19.
Jahrhundert zu einer der größten deutschen
Papierfabriken mit zeitweise über 300 Beschäftigten.
1925 mußte sie jedoch Konkurs anmelden und den Betrieb
einstellen.
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3.
Am Ende der Moisburger Straße ragt, umgeben von mächtigen
Eichen, der Giebel eines reetgedeckten Fachwerkhauses, der
Lüneburger Schanze, auf. Der Name verweist auf
das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, das seit 1236 die Este
als Grenze mit dem Erzbistum Bremen teilte. Der
herzoglich-lüneburgische Amtmann zu Moisburg war es auch,
der 1568/59 gegenüber dem Alten Kloster, das seit 1648
schwedisch war, ein Wachthaus mit Umwallung, seit 1687
nachweislich auch Zollstelle, errichten ließ. Im 18.
Jahrhundert wandelte der damalige Besitzer die Anlage in einen
Bauernhof mit Gastwirtschaft um. Während die Landwirtschaft
vor einiger Zeit aufgegeben wurde, floriert die Gaststätte
in neubelebter Kontinuität. Die Este blieb bis in die
Gegenwart Grenzfluß, zuletzt zwischen den Landkreisen
Harburg und Stade. Erst mit der Gebiets- und Verwaltungsreform im
Jahre 1972 wurde das östliche Esteufer Buxtehuder
Stadtgebiet.
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 Lüneburger
Schanze -
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4.
Ein Spaziergang führt Sie, vorbei an dem Fabrikgelände
und einem Wasserschutzgebiet, zurück an die Este, die bis
zur Altstadt Ihre Begleiterin sein wird. Die heutige Altstadt
trat im Gegensatz zum Klosterort, der sich allmählich
entwickelt hatte, mit einem Gründungsakt in das Licht der
Geschichte. Der Bremer Erzbischof Giselbert von Brunckhorst legte
sie 1285 als Neue Stadt im Moorstreifen zwischen
Marsch und Geest an. Indem Sie die Wasserstraße
abschreiten, können Sie sich eine genaue Vorstellung von der
Entfernung machen, in welcher Klosterort und Stadt zueinander
lagen und als Ortskerne immer noch liegen.
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 Spangenunterführung. -
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Der beschauliche Weg am Fluß entlang
wird unterbrochen von einer Straßenunterführung. Vier
Verkehrswege kreuzen sich hier: Die alte Wasserstraße und
der parallel verlaufende moderne Fuß- und Radweg werden
überquert von der seit 1881 bestehenden Eisenbahnlinie und
den Fahrbahnen der 1987 eröffneten Spange. Sie
hat den beschrankten Bahnübergang beim Bahnhof ersetzt und
leitet den Straßenverkehr durch eine Unterführung in
die Stadt.
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5.
An den Gebäuden der Buxtehuder Schützengilde von 1539
entlang geht es nun weiter auf die Stadt zu. Über die
Poststraße und die Bleicherstraße erreichen Sie den
Stadtpark. Hier, wo sich die Este zu einem Schwanenteich
verbreitert, wird der Fluß auf der einen Seite durch den
ehemaligen Mühlenkanal in die Stadt geleitet, in das Fleth,
den alten innerstädtischen Hafen. Auf der anderen Seite
speist die Este die Viver, den Buxtehuder Stadtgraben.
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 Villa
am Viverteich. -
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Den Namen Viver (sprich: Fiewer)
haben vermutlich holländische Wasserbauer mitgebracht, die
beim Bau der Stadt eingesetzt waren, denn das Wort ist
mittelniederländischer Herkunft und ist ein Ausdruck für
stehendes Gewässer, verwandt mit dem deutschen Wort Weiher.
Der Viver war ursprünglich zwischen 30 und 70m breit und bot
im Mittelalter einen sicheren Schutz gegen Angreifer. Er reichte
bis an die Stadtmauer heran, deren Überreste nur noch an
wenigen Stellen, meist als Rückwand für die
Hinterhäuser verwendet, erhalten sind. Um Platz für
Straßen zu schaffen, wurde der Viver in den 50er Jahren
weitgehend zugeschüttet und auf die heutige Breite
verschmälert. Als Ring um die Altstadt blieb er jedoch fast
vollständig erhalten.
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6.
Dem Verlauf des Vivers folgend am Ende gibt es eine
Abkürzung über einen Kinderspielplatz kommen Sie
zum Marschtorzwinger. Das zugehörige Marschtor, das an
dieser Stelle den Zugang zur Stadt regelte, wurde 1851
abgerissen.
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 Marschtorzwinger. -
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Der Zwinger ist der letzte von einst fünf
Rundtürmen, die an den Eckpunkten der Stadtmauer die
Befestigung verstärkten. Vermutlich wurde er in der ersten
Hälfte des 16. Jahrhunderts gebaut. Mitte der 80er Jahre
restauriert, wird er heute als Ort der Kommunikation für
Kunstausstellungen, Konzerte, Lesungen und Vorträge genutzt.
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7.
Beim Betreten der Stadt von dieser Seite dominiert die
grachtartige Flethanlage das Stadtbild. Gut erhaltene, in den
letzten Jahren sanierte und restaurierte Fachwerk- und
gründerzeitliche Häuser säumen die Straßen
Westfleth und Ostfleth. Wie in der übrigen Altstadt,
insbesondere in der Breiten und der Langen Straße, legen
sie Zeugnis ab von der Bau- und Wohnkultur der Händler- und
Handwerkerfamilien, die den größten Teil der
Bevölkerung des alten Buxtehude ausmachten. Nach Süden
wird das Fleth durch ein mächtiges Backsteingebäude
begrenzt. An der Stelle, wo seit der Stadtgründung
landesherrliche Mühlen standen, wurde es im 19. Jahrhundert
als Kornmühle errichtet. 1979 umgebaut, ist es heute ein
Hotel- und Geschäftsgebäude. Vor der Mühle am
Fleth liegt ein typisches plattbodiges Frachtschiff der
Niederelbe, der Ewer Margareta. Der 1897 gebaute
Giek-Ewer ist das letzte noch erhaltene Schiff der Buxtehuder
Ewer-Flotte und hatte bis 1950 hier seinen Heimathafen.
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 Fleth,
Mühle und Ewer Margaretha. -
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1991 wurde es restauriert und in einer
spektakulären Aktion in das Fleth gezogen und aufgetakelt.
Jetzt erinnert es an die Tradition von Schiffbau und Schifffahrt
in Buxtehude.
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8.
Die Wasserstraße, die seit dem Ende des 13. Jahrhunderts im
Fleth endete, wurde durch die Breite Straße mit der Langen
Straße verbunden, die den Verkehr aus dem Geesttor hinaus
über Land weiterführte. Die Breite Straße und die
Lange Straße bildeten die Hauptverkehrsachsen der
Gründungsstadt Buxtehude. An ihrer Kreuzung, die zugleich
auch Marktplatz war, stand vermutlich von Beginn an
das bereits im Jahre 1303 erwähnte Rathaus. Der
zweigeschossige gotische Hallenbau von 1408 fiel 1911 einem
verheerenden Brand zum Opfer, der das gesamte Viertel zwischen
Breiter Straße und Kirchenstraße zerstörte. An
seiner Stelle wurde 1913/14 nach Plänen des Architekten
Alfred Sasse aus Hannover das jetzige Rathausgebäude
errichtet.
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 Rathaus. -
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In historistischer Manier hat er Barock und
Renaissance mit Jugendstilelementen verbunden. Ein reichhaltiges
Bild- und Figurenprogramm nimmt historische Motive aus Stadt und
Land auf. Ölgemälde im Ratssaal stellen Szenen der
Stadtgeschichte von den Anfängen bis in die Zeit des
Rathausbaues dar.
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9.
Die Lange Straße geleitet Sie zur St. Petri-Kirche;
ursprünglich endete sie auf dem St. Petri-Platz, der auch
Schweinemarkt hieß. Die St. Petri-Kirche ist die
Hauptkirche der Stadt Buxtehude und mit dem 75m hohen Turm das
weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt
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 Ansicht
der Stadt von Norden -
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Kunstgeschichtlich wird die in Backstein
gebaute Gewölbebasilika in die Zeit zwischen 1296 und 1320
datiert. Es wird vermutet, daß sich die Bauzeit bis zum
Ende des 14. Jahrhunderts hingezogen hat. Im 19. Jahrhundert
erhielt die Kirche ein neugotisches Äußeres. Ein
Blitzeinschlag zerstörte 1853 den bereits im 17. Jahrhundert
erneuerten Turm. Daraufhin wurden der achteckige Turmaufbau und
der Turmhelm nach Plänen des Hamburger Architekten Carl
Ludwig Wimmel neu errichtet. 1898/99 wurden die baufällig
gewordenen Seitenschiffe, das Brauthaus, die Sakristei und der
Chor abgerissen und unter der Leitung des Architekten Karl
Börgemann, Hannover, wieder aufgebaut.
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 St.
Petri-Kirche. -
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Die St. Petri-Kirche wird dem weiteren
Umkreis der Backsteinhallenkirchen um die Lüneburger St.
Johannis-Kirche zugeordnet, nimmt aber als Basilika eine
Sonderstellung in der Gruppe dieser Kirchen ein.
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10.
Eine schmale Gasse führt vom St. Petri-Platz in den
Stavenort. Der Name 1575 zuerst erwähnt leitet
sich von einer Badestube (=staven) ab, die sich in dieser Ecke
(=ort) der Stadt befunden hat. Noch in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts war hier ein dichtbebautes Gängeviertel, wo
in Mietshäusern aus dem 17.-19. Jahrhundert überwiegend
Arbeiterfamilien lebten. In den 20er Jahren begann die Stadt,
planmäßig Gebäude aufzukaufen, um das Viertel zu
sanieren, worunter zunächst nur der Abriß baufälliger
Gebäude verstanden wurde. Im Rahmen der in den 80er Jahren
einsetzenden Altstadtsanierung ging man dazu über,
historische Bausubstanz zu erhalten. Die sechs noch vorhandenen
alten Fachwerkhäuser wurden restauriert. Im Haus Stavenort
16 hat seit 1992 die Jugendkunstschule ihren Sitz. Das Gebäude
kann als Zeitzeuge für die Wohnverhältnisse in dem
ehemaligen Gängeviertel besichtigt werden. Das Heimatmuseum
von 1913, das seine reichgeschmückte Fachwerkfassade dem St.
Petri-Platz zuwendet, wurde durch einen Neubau zum
Buxtehude-Museum für Regionalgeschichte und Kunst erweitert.
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 Buxtehude-Museum,
im Vordergrund auf dem Stavenortplatz die Installation Himmel
und Erde von Maren Däke während der
Sommerausstellung des Kunstvereins 1994 -
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Gegenüber steht das neue Gebäude
des Stadtarchivs, wo auch die städtische Kulturabteilung und
die Artothek (Bilderverleih) der Stadt untergebracht sind. Beide
Neubauten sind 1989-1992 nach den Plänen der hannoverschen
Architektengruppe Venneberg und Zech errichtet worden.
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Die Wanderung endet im Stavenort, wo die
Möglichkeit besteht, die historischen Eindrücke durch
einen Museumsbesuch zu vertiefen und anschließend in einem
der benachbarten Cafés zu entspannen.
Bernd Uthermöhlen Fotos: Frank-J.
Suhr, Bernd Uthermöhlen
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