- Zu den Wesensmerkmalen einer
spätmittelalterlichen Stadt gehören die Befestigung und
die Pflicht der Bürger, ihre Gemeinschaft zu verteidigen.
Als Mauern und Wälle höher, die Gräben breiter und
die Stadtherren mächtiger wurden, wurde die Befestigung
zunehmend zur Last.
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Schutz war auch Enge.
Stade als Festungsstadt -
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1.
Der Streifzug durch die Entwicklung der Befestigung Stades
beginnt auf dem nahezu höchsten Punkt der Altstadt, dem
Georgsberg, etwa 12 m über NN. Auf diesem Plateau werden die
fränkischen Eroberer am Ende des 8. Jahrhunderts ein erstes
festes Haus errichtet haben, in dessen Schutz sich die
Hafenmarktsiedlung an der oberen Hökerstraße
entwickelt. Die Verbindung zur wohl nur kleinen Marktsiedlung
stellt die heutige Sattelmacherstraße her.
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Die Schutzfunktion für die Siedlung
aber hat das Gebiet im 12. Jahrhundert bereits seit langem
verloren. Die 1132 - 37 dort errichtete Stiftskirche
St. Georg, nach dem Bremer Dom der größte Bau zwischen
Elbe und Weser, wird die eigentliche Stadtkirche und bleibt dies,
zumindest bis in das 15. Jahrhundert.
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2.
Der Entwicklung der Marktsiedlung folgen wir die Hökerstraße
hinab und die Burgstraße hinauf auf den Spiegelberg. Hier
im Marschbereich laßt der spätere Graf
Siegfried wohl zwischen 986 und 994 eine erste Erhebung von etwa
5 Metern aufschütten und darauf eine Burg errichten. Durch
einen Knüppeldamm wird die Siedlung angeschlossen. Ein
Schwingearm wird um den Hügel geführt, der so eine
Hafenmole bildet.
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Als die Erzbischöfe nach
1236 unangefochten Stadtherren sind, wird er Palast
am Bischofshof alleinige Residenz, die Burg auf dem Spiegelberg
verfällt.
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3.
Vom Spiegelberg aus steigen wir den Säbelberg hinunter zum
Alten Hafen, dem bis 1259 gebildeten Hafenbicken. Die Zufahrt
schützte der quer über den Schwingelauf gelegte Baum,
der Hafenmeister bewohnte das daher so genannte Baumhaus. Der
gegenüberliegende Schwedenspeicher, das 1692 -
1705 errichtete Provianthaus der schwedischen Garnison, deutet
schon auf die Geschichte Stades als landesherrliche Festung seit
1645 hin.
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Schon vor dem Verfall der Burg
läßt Heinrich der Löwe um 1170 beide
Siedlungsbereiche mit Wall und Graben umgeben, der Harschenfleth,
eine Speichervorstadt - vielleicht auf der Grundlage einer alten
Siedlung, wird jedoch nicht in die städtische Befestigung
einbezogen, sondern nur von einem kleineren Wall geschützt.
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Im Laufe des 13. Jahrhunderts
werden Wall und Graben durch eine Mauer mit Türmen und
festen Toren ersetzt. Vom Harschenfleth aus führt der
Kehdingertorswall, der alte Wallgang der städtischen
befestigung, zum Kehdinger Tor, dem einzigen Torausgang, der bis
in das 19. Jahrhundert in unveränderter Lage erhalten
geblieben ist. Im 16. Jahrhundert war das Kehdinger Tor ein
Torturm mit Zeltdach, davor eine Brücke mit äußerem
Turm. Der Mauer, die im Laufe des 16. Jahrhunderts teilweise
durch einen hohen Wall ersetzt wurde, vorgelagert ist als
zusätzlicher Schutz ein Graben. Dieser Vorgraben vor dem
Kehdinger Wall schützt auch den Harschenfleth.
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Vom Kehdinger Tor aus gehen wir
zunächst an der Kehdinger Mauer, den Kehdinger Mühren,
entlang, dann durch die Lange Twiete zur Bungenstraße.
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 Das
Schiffertor am Ende des 16. Jahrhunderts -
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Das Schipsiker Tor
am Ausgang der Bungenstraße führte zu einer
mittelalterlichen Siedlung Schipsik, die später
wüst und seit dem 15. Jahrhundert nicht mehr erwähnt
wird. Der Stich von Braun und Hogenberg aus dem Ende des 16.
Jahrhunderts zeigt einen Torturm mit einer festen Brücke
über den Festungsgraben und den davorgelagerten Zwinger.
Nördlich des Schiffertors, vor der heutigen Langen Twiete,
ist bereits ein Rondell oder Bollwerk zu sehen, das
mit Geschützen bestückt ist. Es wird später zur
Wrangels-Bastion ausgebaut. Sichtbar ist auch der Wallgang hinter
der Kehdinger Mauer, der von der bürgerlichen Wache zu
besetzen war.
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Das Schiffertor wird für
den Ausbau der Befestigung für den neuen Stadtherrn, die
schwedische Krone, seit 1645 zweimal verlegt, zunächst an
den Ausgang der Bäckerstraße, zwischen die beiden
Schwingearme. Das alte Tor wird durch eine neue, irreguläre
Bastion verbaut, die Schiffer-Bastion - später
Torstensson-Bastion, in hannoverscher Zeit Georg-Bastion. Der
Zwinger wird abgebrochen.
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Eine erneute Verlegung des
Schiffertors südlich vor das Pottwärder sieht der 1682
- 85 entwickelte Festungsbauplan des Festungsbaudirektors und
Generalquartiermeisters Erik Dahlberg vor, den König Karl XI
Anfang 1686 genehmigt. Bereits 1684 beginnt man mit dem Bau des
neuen Schiffertor-Ravelins, in dessen rückwärtigen,
offenen Abschnitt, die Kehle, das Tor gelegt wird.
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Östlich des neuen
Schiffertors, an der Mulde des Backeltrog, befindet sich bis in
das 17. Jahrhundert der Marstall des Rates. Vorbei am 1913
errichteten ehemaligen Eichamt gehen wir die Wallstraße
entlang bis zur Inselstraße. Deren alter Name Vossmor
abgeleitet vom lateinischen fossa mortua, toter
Graben, zeigt, daß sich hier ein alter Festungsgraben
befand, der im 14. Jahrhundert für die damalige Erweiterung
des Befestigungsrings zugeschüttet wird. Er wird sich wohl
von der Wallstaße über die Inselstraße an der
Stockhausstraße zum Backeltrog gezogen haben.
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Wir verlassen die Inselstraße
unterhalb des Pferdemarkts und biegen in die Beguinenstraße
ein Zwischen dem heutigen Straßenzug und der Wallstraße,
südlich der Gründelstraße, lag der Beginenhof,
nach dem Stich von Braun/Hogenberg direkt am Wallgang hinter de4
mit drei Türmen verstärkten Mauer zwischen dem
Backeltrog und dem Großen Tor.
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4.
Die Beguinenstraße östlich des Beguinenhofes führt
auf die Holzstraße und damit fast direkt auf das große,
einen Torturm mit einer langgestreckten Brücke über den
Befestigungsgraben. Der erste Teil dieser Brücke konnte als
Zugbrücke hochgezogen werden.
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 Das
Große Tor am Ende des 16. Jahrhunderts. -
Bereits in den ersten Jahren des
schwedischen Festungsausbaus wird die alte runde
Hohentors-Bastion erweitert, das Große Tor vermauert,
zugeschüttet und als Pulvermagazin genutzt. Nördlich
davon wird das neue Hohe Tor mit dem Hohentors-Ravelin angelegt,
der nach 1670 noch erweitert wird.
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Mit der Eroberung durch Schweden erhält
der Sand eine neue Funktion in der zivilen wie Militärverwaltung.
Die ehemalige Klosterkirche von St. Marien wir Staats- und damit
auch Garnisonskirche. Die Regierungskanzlei richtet sich in den
Klostergebäuden ein. In der Nähe des Sandes, bei der
Reepeerban, wird der Werkhof der Artillerie eingerichtet, der
hier auch in Hannoverscher Zeit bleibt.
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Die dänische Bombardierung der Stadt
zerstört den südlichen Teil mitz den
Regierungsgebäuden. Die privaten Häuser werden z.T.
Nicht wieder errichtet, so daß 1731 der Plan entwickelt
wird, hier am Sand die benötigten Kasernen - die Baracken
- zu bauen. Nach 1736 werden um den Sand herum Kasernen
errichtet, die ab 1938 mit Truppen belegt werden. Der Ausschnitt
aus dem Festungsplan von 1740 zeigt die Anlage. In der Mitte des
Platzes ist bereits der Brunnen der 1737 für die Versorgung
der Soldaten gebauten hölzernen Wasserleitung zu erkennen.
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 Ausschnitt
aus dem Stadtplan von 1740. -
Nach 1900 werden im Südosten des Sandes
weitere Kasernen errichtet. Nur die Artilleriekaserne im Norden
des Sandes ist bis heute erhalten.
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5.
Über die Archivstraße, den Bischofshof und die
Seminarstraße kommen wir zum Salztor, das ebenfalls nach
der schwedischen Besetzung, allerdings erst 1682, vom Ausgang der
Salzstraße nach Süden verlegt wird. Bereits 1648 war
vor dem Salztor der Salztors-Ravelin angelegt worden. Von den
gesamten schwedischen Festungswerken im Osten ist durch die
Anlage des Neuen Hafens 1880 und des Floßhafens kaum noch
etwas zu sehen
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Der Salztorswall führt zu der in der
Höhe des Walls wohl ursprünglichsten Bastion, der
Güldenstern-Bastion. Sie wurde 1647 durch den Ausbau des
dort vorhandenen Windmühlen-Bollwerks
angelegt, nach 1700 noch einmal reguliert. Erst 1712 erhielt sie
ihren heutigen Namen. Nicht nur der fünfeckige Grundriß
der Bastionen, sondern auch höhe und Breite der Wälle
kann hier studiert werden. Für die nur noch in ihrem
Grundriß erhaltene Königsmarck-Bastion ist eine
Aufstellung der Höhen und Breiten vorhanden. Der Wall sollte
5,40 Meter hoch sein, unten 18 Meter, auf der Krone 9 Meter
breit. Auf dem Wall wurde eine etwa 4 Meter breite Brustwehr in
Höhe von 1,80 Meter errichtet. Der Graben sollte 3 Meter
tief und 25 Meter breit sein.
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6.
Von der Güldenstern-Bastion führt ein Weg durch das
Glacis vor dem Wall über den Festungsgraben auf einen der
beiden erhaltenen Ravelins, den 1669 angelegten
Fuchsloch-Ravelin, 1823 nach dem Hannoverschen Vizekönig
Adolf Friedrich umbenannten Adolf-Ravelin. Er ist trotz
Umgestaltung zur nicht mehr benutzten Freilichtbühne - im
Nationalsozialismus sollte er Thingplatz - sein in
seiner Grundform erhalten geblieben. Westlich vom Adolf-Ravelin
führt eine Fußgängerbrücke über den
Festungsgraben zurück auf den Wall und den Wallgang, den
heutigen Pratjeweg. Die davor liegende Hohentorsbastion wurde für
den Eisenbahnbau abgetragen, die Hohentorsbrücke neu gebaut.
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7.
Wir überqueren die Bahnhofstraße zur Straße Am
Burggraben. Hier wurden seit 1881 die vorhandenen Festungsanlagen
- Gründel-Bastion und Hohentors-Ravelin - zur Gewinnung von
Bauland eingeebnet, der Festungsgraben begradigt. Die Straße
führt über eine Holzbrücke auf den zweiten
erhaltenen Ravelin, den erst 1692 - 94 auf den Resten der
Bürger-Bleiche angelegten Bleicher-Ravelin.
Bereits 1846 wurde hier eine Gastwirtschaft errichtet, 1910 kann
die Stadt die Insel erwerben und verpachtet sie an
den Stader Geschichts- und Heimatverein zur Errichtung eines
Freilichtmuseums.
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Über die zweite Holzbrücke, die
Wohltmann-Brücke, verlassen wir die Insel und erreichen die
Königsmarck-Bastion, die durch Bebauung am Ostrand -
zunächst 1903/04 das Heimatmuseum, nach 1910 nach Norden hin
Wohnbebauung - beschnitten worden ist. Von den Wällen ist
nichts mehr zu sehen. Westlich von der Königsmarck-Bastion
ist noch der Rest eines Außenwerks der schwedischen Festung
zu sehen, die sog. Erleninsel.
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Unter der Straßenbrücke am
Schiffertor hindurch erreichen wir die noch im wesentlichen
erhaltenen Werke der Georg-Bastion und der Wrangel-Bastion. Trotz
der Bebauung sind noch die Wälle und der steile Abfall zum
Graben hin deutlich sichtbar.
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8.
Die in ihrem Grundriß noch erhaltene Kehdingertor-Bastion
ist bebaut und wird von der Parkstraße durchschnitten. Hier
biegen wir in die Schiffertors-Contrescarpe ein. Vom Weg aus ist
die steile Böschung auf der Außenseite des
Festungsgrabens noch erkennbar. Vor der neuen Stadthalle
überschreiten wir den Festungsgraben durch einen neu
angelegten Walldurchgang, überqueren die Schiffertorsstraße
und erreichen über die Kalkmühlenstraße und die
Steile Straße wieder den Pferdemarkt mit dem 1697 - 99
errichteten Zeughaus, einem ehemaligen Waffenarsenal
der Stader Garnison, und damit den Endpunkt unserer Wanderung
durch die Festungs- und Befestigungsgeschichte Stades.
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Jürgen Bohmbach
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