Denkmale der
Frühzeit rund um Visselhövede
 Die
archäologische Forschung erschließt zunehmend auch
Denkmale und Kulturhinterlassenschaften aus dem Mittelalter.
Deshalb führt uns dieser Wegweiser in und um Visselhövede
von den Grabhügeln der Bronzezeit bis zu den historischen
Grenzsteinen des 16. Jahrhunderts nach Chr.
1 - Hügelgräber
der Stein- und Bronzezeit
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Unsere Landschaft ist seit dem
Ende der Eiszeiten vor 16.000 bis 20.000 Jahren von Menschen
besucht und bewohnt gewesen. Ausgrabungen und Bodenfunde bezeugen
vor allem die letzten 10.000 Jahre der Vorgeschichte. Als
sichtbare Zeugen vorgeschichtlicher Kulturen finden wir in
nächster Nachbarschaft nur noch Hügelgräber. Neben
verschiedenen einzelnen Grabhügeln, die sämtlich
Überbleibsel größerer Hügelfriedhöfe
sind, blieben in den Wäldern bei Drögenbostel,
Hiddingen und Schwitschen mehrere zusammenhängende Gruppen
erhalten. Jede Gruppe besteht aus großen und kleinen
Hügeln, Man muß sich vorstellen, daß die heute
flach auslaufenden Erdbuckel auseinander geflossen sind,
ursprünglich also höher gewölbt waren
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 Aufbau
eines mehrfach erweiterten Hügelgrabes, schematische
Querschnittzeichnung.
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Der äußere Rand war
steil und wurde von Grassoden oder einem Ring aus Feldsteinen,
teilweise auch von kleinen Feldsteintrockenmauern oder Holzwänden
gehalten.
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 Lageplan
der Hügelgräber auf der Gilkenheide und Standort der
Erklärungstafel (+). -
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Aus einem Grobhügel auf
der Gilkenheide stammen Funde der Bronzezeit ( 1100 v. Chr.). Die
Bronzezeitkultur Norddeutschlands hat ihre Wurzeln schon im
Ausgang der Jungsteinzeit. So hat man vielfach beobachtet, daß
unter großen Grabhügeln die ältesten Bestattungen
noch steinzeitliches Inventar haben. Darüber liegende Gräber
enthalten oft Feuersteindolche, die Metalldolchen südlicher
Kulturen nachgebildet sind. Manchmal finden sich im mehrfach
vergrößerten Hügel noch Beisetzungen der
Bronzezeit und nachträglich eingetiefte Urnen der jüngeren
Bronzezeit. Da es sich zweifellos um Familiengrabstätten
handelt, kann man in solchen Fällen die Kulturentwicklung
von der Stein- zur Bronzezeit in wenigen Generationen verfolgen.
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Man erreicht die Grabhügel
am besten von Hiddingen über den Elmhorstberg und folgt dem
Weg Richtung Eitze nach Osten etwa 1.800 m, bis rechts in einem
Nebenweg die Erläuterungstafel vor den Hügelgräbern
zu sehen ist. Die übrigen Grabhügel sind nach
obenstehendem Lageplan leicht zu finden.
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2 - Die Stadt
Visselhövede
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Sprachwissenschaftlich ist
nicht geklärt, ob der Name der Stadt "Höfe an der
Vissel` oder "Haupt der Vissel" bedeutet. Denn der
Platz lag von Anbeginn dicht an der Quelle des Flusses.
Vielleicht sind auch beide Deutungen schon im Milttelalter
zusammengeflossen.
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Der Name des Gewässers
wird von einem germanischen Wort fiselo (= die langsam Fließende)
abgeleitet. Diese Bezeichnung ist mit Sicherheit älter als
mittelalterlich. Der Ort ist zwar erst 1148 zum ersten Mal
schriftlich erwähnt, doch besaß er damals bereits eine
Kirche. Im folgenden Jahrhundert wird der Ort als Sitz der Vogtei
und Gohgrafschaft genannt. 1450 erhält Visselhövede
Weichbildrechte (Vorstufe des Stadtrechts) und darf eine
Stadtbefestigung bauen, die vermutlich aus einem holzgestützten
Erdwall (Holz-Erde-Mauer) mit vorgelagertem Graben bestand.
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Der älteste Stadtplan aus
dem Jahre 1704 zeigt uns die Stadt mit dem Graben, der nur eine
Straße mit 33 Grundstücken umschloß
(Burgstraße). Die Kirche liegt außerhalb der Mauer an
der Visselquelle. Diese topografische Situation deutet darauf,
daß die Siedlung bereits bestand, als die Kirche gebaut
wurde. Man errichtete sie seltsamerweise nicht mitten im Ort,
sondern am Quellteich des Flusses. Vermutlich hat sich hier an
der Quelle ein vorchristliches Heiligtum befunden; denn es gibt
viele Beispiele für vor- und frühgeschichtliche
Quellenverehrung. In karolingischer Zeit entstanden oft die
ersten Kirchen unmittelbar an vorher heidnischen Kultplätzen
und über Gräbern. Damit ließen sich die alten
Glaubensvorstellungen leichter auf das Christentum umlenken. Daß
unsere Kirche Johannes dem Täufer geweiht ist, spricht
ebenfalls für eine frühe Taufkirche.
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 Romanischer
Taufstein. -
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Um das Jahr 1200 wird der
Kirchenbau erneuert. Aus dieser Zeit stammt noch ein Taufstein.
Die Sonnenuhr mag wenige Jahrzehnte jünger sein.
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3 - Die Landwehr
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Von der Schützenstraße
am Südrand der Stadt gelangt man noch 300 m Weg an den
Landwehrwall. Die Anlage bestand ursprünglich aus einem
langen Erdwall von 10 bis 12 m Breite und einem westlich davor
liegenden breiten und östlich davor verlaufenden kleineren
Graben. Beim Bau dieses Erdwerks entstanden die Gräben durch
den Bodenaushub für die Aufschüttung des Walls. Die
Gräben und der hohe, damals mit Schlehdorn, Weißdorn,
Rosen und Brombeeren bepflanzte Wall bildeten ein unüberwindbares
Hindernis. Landwehren dienten aber nicht der Verteidigung,
sondern waren Wegsperren, die den Fuhrwerksverkehr hindern
sollten. Hier zwang man den Ost-West-Verkehr auf der Verdener
Seite der Landesgrenze durch den Ort Visselhövede.
Vermutlich handelte es sich um eine Maßnahme des Bischofs
zur Kontrolle des Verkehrs oder Erhebung einer Wegesteuer.
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 Ältere
Luftaufnahme der Visselhöveder Landwehr. -
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Eine ähnliche Bedeutung
wird auch der Landwehrwall zwischen Dreeßel und Jeddingen
besessen haben, von dem noch Reste erhalten sind.
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 Querschnitt
durch Wall und Graben der Landwehr. -
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4 - Der Burghügel
bei Kettenburg
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Im 12. und 13. Jahrhundert
bestand der Vorläufer der Kettenburg nur aus einem Turm, der
auf einem künstlichen Hügel errichtet war. Der Hügel
ist bis heute vorhanden. Er liegt in der baumbewachsenen
Niederung zwischen Dorf und Gut Kettenburg 60 m östlich der
Lehrde und 50 m nördlich der Straße.
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 Schematische
Zeichnung einer Turmhügel-Burg. -
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Als sich der Adel im
Mittelalter immer mehr verselbständigte und keine
militärische Besatzung für König oder Landesherrn
mehr zu unterhalten hatte, entstand seit der Zeit um 1100 überall
dieser neue Burgentyp, der die bis dahin üblichen
Ringwallanlagen ablöste. Die neuen Burgen bestanden aus
einem einzigen turmartigen Gebäude, das auf einem Hügel
errichtet wurde. Meist standen sie in feuchten Niederungen und
wurden von einem Wassergraben umgeben. Aus diesen Anlagen
entwickelte sich später die typische mittelalterliche Burg
mit dicht angebauten Nebengebäuden, umgeben von einer Mauer.
Der Turmbau bestand als Bergfried fort.
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Auf einem Bildteppich aus dem
12.Jahrhundert im Kloster Bayeux finden wir schematische
Darstellungen von Turmhügelburgen. Auf diesem Ausschnitt
(Bild unten) sieht man den von einer Holzpalisade umgebenen Turm
auf dem Hügel:
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Im Jahre 1148 wird für
Rosebruch ebenfalls eine Burg erwähnt, von der jetzt nichts
mehr vorhanden ist. jedoch ein Bild aus dem Jahre 1564 zeigt noch
den Burghügel, der inselartig vom Bach umflossen war.
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Im 14. und 15. Jahrhundert
erscheint in den Urkunden mehrfach ein Rittergeschlecht von
Vislohovede. Von seiner Burg sind bisher keine Spuren
nachgewiesen. Doch der Name der Burgstraße in Visselhövede
zeigt, daß die Burg im Ortsbereich gelegen hat.
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- 6 -Historische Grenzsteine
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Von Stellichte über den
Königshof bei Bleckwedel, Kettenburg und Ottingen verlief im
Mittelalter die Landesgrenze zwischen dem Bistum Verden und dem
Herzogtum Lüneburg. Im Jahre 1576 ließ der Bischof
Eberhard die vielfach umstrittene Grenze markieren. An jedem
Punkt, an dem der Grenzverlauf einen Knick machte, wurde ein
runder Erdhügel aufgeworfen. Auf jeden dritten oder vierten
der Hügel setzte man große Grenzsteine aus
Wesersandstein. Sie tragen auf der Lüneburger Seite das
Löwenwappen der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg
und auf der Verdener Seite das Wappen des Bistums mit dem
Nagelkreuz. Nur wenige Originalsteine sind noch vorhanden. Bei
Kettenburg und Ottingen sind deshalb originalgetreue
Nachbildungen der alten Grenzsteine etwa an den ursprünglichen
Plätzen aufgestellt und mit Erklärungstafeln versehen
worden.
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Text: Dr. Wolf-Dieter Tempel
Zeichnungen: Roland Schneeweiß
 1
- Hügelgräber in der Kilkenheide 2 - Visselquelle und
Stadtkirche 3 - Landwehrwall 4 - Burghügel in
Kettenburg 5 - Historischer Grenzstein in Kettenburg 6 -
Historischer Grenzstein bei Ottingen
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