Von der Hansestadt zum
Industriestandort

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Herzlich willkommen zu
einem Streifzug durch die Buxtehuder Wirtschaft in Geschichte und
Gegenwart.
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Von entscheidender Bedeutung für
Buxtehudes wirtschaftliche Entwicklung war die Lage der Stadt an
der bis zu ihr hin schiffbaren Este. Nur von Buxtehude und Stade
aus konnte im Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert
hinein die Niederelbe überquert werden. Im Rahmen des
hansischen Fernverkehrs auf der Linie Bremen-Hamburg-Lübeck
gewann die junge 1285 gegründete Stadt rasch an Bedeutung
und wird bereits 1363 als Hansestadt genannt.
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1.
Der heutige Buxtehuder Hafen ist der Überrest der
mittelalterlichen Reede, eines großen vor der Stadt
gelegenen Hafenbeckens, in dem die Schiffe ankern konnten, bevor
sie im Fleth, dem innerstädtischen Hafenkanal be- und
entladen wurden. Aufgrund der Schiffahrtsverbindung zur Elbe nahm
Buxtehude früh am Prozeß der Industrialisierung teil,
und das Hafengebiet entwickelte sich zu einem Industriestandort
(vgl. die Stadtansicht auf der Titelseite oben). Der größte
Betrieb war mit 60 80 Arbeitern die bis 1912 bestehende
Zementfabrik. Sie war aus einer 1828 gegründeten
Kalkbrennerei hervorgegangen und stellte seit 1850/51 als erste
Fabrik in Deutschland Portland-Zement her. Im Zuge der
Estekorrektion war 1849 in der Mitte des Hafenbeckens
eine Insel aufgeschüttet worden. Auf ihr errichtete der
englische Fabrikant William Dawson 1853 eine Steingutfabrik, die
von 1854 bis 1861 in Betrieb war. Seit 1897 befindet sich die
Malerschule in dem ehemaligen Fabrikgebäude. Weitere
Betriebe in der Umgebung des Hafens waren: eine Dampfsägemühle,
eine Ölmühle, eine Schiffszimmerwerft und eine
Farbenfabrik. Heute befinden sich am Hafen die Firma Gründahl,
die in ihrem ehemaligen Mühlengebäude ein
Landhandelsgeschäft betreibt, und auf der Westseite des
Hafens ebenfalls in einem ehemaligen Mühlengebäude ein
Möbelmarkt. Im Buxtehuder Hafen, wo 1912 noch 557
angekommene Segelschiffe und 404 Dampfer gezählt wurden,
legen heute nur noch Ausflugsschiffe und Sportboote an.
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 Fleth,
um 1910. -
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2.
Das Buxtehuder Fleth war zur Zeit der Stadtgründung eine
hochmoderne Hafenanlage und ist neben der St.-Petri-Kirche das
bedeutendste Baudenkmal der Stadt. Es gilt als der älteste
innerhalb einer Stadt künstlich angelegte Hafen
Nordeuropas. An die Tradition von Schiffbau und Schiffahrt
erinnert der restaurierte und seit 1991 im Fleth vor Anker
liegende Ewer Margareta. Am südlichen Ende des
Fleths wurde die Wasserkraft der aufgestauten Este seit 1289 für
den Betrieb landesherrlicher Mühlen genutzt. Im 19.
Jahrhundert wurde das bis heute bestehende Gebäude errichtet
und die Mühle mit Turbinenantrieb ausgestattet. Erst 1975
hat die Mühle ihre Arbeit eingestellt. 1979 erfolgte der
Umbau zu einem Hotel- und Geschäftsgebäude.
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Bereits im 18. Jahrhundert entstanden im
Zuge der Industrialisierung auch im Umkreis des Fleths erste
Fabrikbetriebe: zwei Seifenfabriken, drei Gerbereien sowie später
eine von dem Mühlenbesitzer Hastedt betriebene Nudelfabrik
und eine Maschinenfabrik. Heute sind die produzierenden Gewerbe
aus der Innenstadt verschwunden.
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3.
Im Altstadtbereich befinden sich heute fast ausschließlich
Ladengeschäfte, Restaurants, Cafés,
Dienstleistungsunternehmen, Arzt- und Anwaltspraxen. In der
Breiten Straße steht das Rathaus, bis heute das
politisch-administrative Zentrum der Stadt. Zugleich ist die
Stadtverwaltung mit rund 500 Beschäftigten größter
öffentlicher Arbeitgeber und damit selbst ein bedeutender
Wirtschaftsfaktor.
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 Viehmarkt
vor dem Rathaus, um 1900. -
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Seit 1919 hat das Kaufhaus Stackmann seinen
Sitz in der Langen Straße. Es hat 430 Beschäftigte und
ist eines der bedeutendsten Familienunternehmen Norddeutschlands.
Mit seiner historischen Altstadt und einer sich bis nach
Altkloster erstreckenden Einkaufsmeile ist Buxtehude ein
bevorzugter Marktort im gesamten Niederelbegebiet.
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4.
In südöstlicher Richtung vom heutigen Busbahnhof
erstreckte sich einst auf einer Fläche von ca. 90.000 m²
die Buxtehuder Lederfabrik. 1832 begann Johann Christian
Wachenfeld mit dem Bau der Fabrik auf dem Gelände der
ehemaligen städtischen Bleiche. 15 20 Arbeiter waren
hier 1846 tätig. In besten Zeiten hatte die Fabrik rund 150
Beschäftigte und war der größte Arbeitgeber der
Stadt. 1959 wurde der Betrieb stillgelegt. Kunststoff verdrängte
das in Buxtehude hergestellte Sohlleder. 1979 wurde das Gelände
an eine Hamburger Wohnungsbaufirma verkauft und zur Bebauung
freigegeben.
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 Lederfabrik,
um 1910. -
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5.
1881 erhielt Buxtehude den lange gewünschten
Eisenbahnanschluß. Mit der Eröffnung der Bahnlinie
wurde die Umgebung des Bahnhofs ein verkehrsgünstig
gelegener Wirtschaftsstandort. Auf dem ehemaligen Galgenberg
südlich des Bahnhofs wurde 1890 eine Bierbrauerei gegründet.
Diese wurde 1918 vom Mühlenbesitzer Hastedt erworben und in
eine Nudelfabrik umgewandelt. 1936 übernahmen die Gebrüder
Birkel den Betrieb. Ein wie sich später
herausstellte, zu Unrecht ausgelöster
Frischei-Skandal führt 1988 zur Schließung.
1996 wurden die alten Fabrikanlagen abgerissen, um neue Gebäude
für Handels- oder Dienstleistungsunternehmen zu errichten.
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 Bahnhof
und Bierbrauerei, 1896. -
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Außer der Nudelfabrik waren in der
Nähe des Bahnhofs eine Leimfabrik, eine Holzhandlung, eine
Maschinenfabrik und zwei Hotels ansässig. Von ihnen besteht
einzig die ehemalige Maschinenfabrik Sauer an der Stader Straße
als Heizungs-, Sanitär- und Metallbaufirma bis heute.
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6.
Schon im Mittelalter wurde in Altkloster die Wasserkraft der Este
wirtschaftlich genutzt. Bereits in der Klosterstiftungsurkunde
werden zwei Mühlen erwähnt. Ab 1622 wurde hier nicht
nur Korn gemahlen, sondern auch Papier hergestellt. 1816 erwarb
der Hamburger Kaufmann Johann Hinrich Winter die Papiermühle.
Er vertraute 1822 die Leitung seinem Sohn Johann Asmus an, der
den handwerklichen Betrieb zur damals größten
Papierfabrik im Königreich Hannover ausbaute. 1860
beschäftigte das Werk rund 300 Personen. Nachdem ein
Großbrand 1917 die Produktionsstätten fast völlig
zerstört hatte, ging die Fabrik 1925 in Konkurs. 1954
verlegte die Firma Klintworth ihre Obstverwertung von der
Harburger Straße nach Altkloster. Der Betrieb wuchs zur
größten Obstmosterei in Norddeutschland an.
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 Ehemaliges
Wohnhaus von J. A. Winter, später Direktorenwohnung, zuletzt
Bürohaus Granini, 1922. -
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1968 übernahm die Deutsche Granini das
Buxtehuder Werk. Durch eine Fusionierung mit dem Eckes-Konzern
kam 1994 das Aus. Um die Auslastung eines anderen konzerneigenen
Standortes sicherzustellen, wurde das Buxtehuder Werk
geschlossen.
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7.
Das Industriegebiet Ost (vgl. die untere Abbildung auf der
Titelseite, Foto: W. Stephan, 1996) hat seinen Ursprung im
Brillenburgsweg. Bereits 1938 erwarb der Maschinenfabrikant
Rudolf Kröhnke beiderseits des Weges Grundstücke, um
seine Fabrikationsanlagen hierher zu verlegen. Rudolf Kröhnke
hatte 1927 als Handwerksmeister im Maschinenbau, Klempnerhandwerk
und Elektrofach in der Innenstadt begonnen. Im
Maschinenbaubereich stellte er mit bis zu 90 Arbeitskräften
Feldbahn-Lokomotiven, Pumpen, Winden und Zubehörteile her.
Die Firma ist heute Vertragshändler der
Deutz-Fahr-Agrartechnik und vertritt Iveco Magirus. Erst als nach
1945 dieses Gebiet als Industrie- und Gewerbefläche
ausgewiesen wurde, begann die Industrialisierung im größerem
Stil. Eine der ersten Gründungen war die Maschinenfabrik
Este 1954. Sie ging bald auf in der Claudius Peters AG, welche
heute zu dem britischen weltweit operierenden Maschinen- und
Anlagenbau-Konzern Babcock gehört. Buxtehude ist der
Europastandort der Holding. Die Verwaltung hat ihren Sitz am
Brillenburgsweg, in einem umgebauten Fabrikgebäude der Firma
Kröhnke. Dieser Bau erhielt 1989 den ersten Preis des
Bundesbauministers im Wettbewerb um gelungene
Industriearchitektur.
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8.
Ende 1986 erwarb die Stadt Buxtehude südlich an das
Industriegebiet ost angrenzend eine Fläche von 17 ha, um
dieses Gelände für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben
zu erschließen. Heute sind im Gewerbegebiet Lüneburger
Schanze in rund 25 Betrieben ca. 350 Personen beschäftigt.
Eine neue Straße, die Lüneburger Schanze,
verbindet als Industrieverkehrsachse das Gewerbegebiet mit dem
Industriegebiet Ost, wo entlang des Alten Postweges namhafte
Betriebe in den Bereichen Spirituosenherstellung und abfüllung,
Metall- und Anlagenbau, Chemie, Kunststoffproduktion,
Körperpflegemittel sowie der Baustoffindustrie angesiedelt
sind. Von den rund 11.000 Arbeitsplätzen, die Buxtehude
derzeit bietet, befindet sich rund ein Viertel im Industriegebiet
Ost und dem Gewerbegebiet Lüneburger Schanze. Insgesamt
stehen noch rund 35 ha Bruttofläche für gewerbliche
Ansiedlung zur Verfügung.
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 Firmenwegweiser
Gewerbegebiet Lüneburger Schanze und Industriegebiet Ost,
1996.
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Außer dem Industriegebiet Ost und dem
Gewerbegebiet Lüneburger Schanze gibt es das kleinere
Gewerbegebiet West sowie weitere Industrie- und Gewerbestandorte
am Rande des Kernstadtbereichs und in einzelnen Ortschaften.
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9.
Am östlichen Ende des Industriegebietes Ost befindet sich
das Technologiezentrum Buxtehude (TZB). Mit erheblicher
Beteiligung des Landes Niedersachsen errichtet, wurde die
stadteigene GmbH am 14.02.1986 eröffnet. Das TZB ist ein
wesentlicher Baustein im Konzept der städtischen
Wirtschaftsförderung. Es leistet Starthilfe für junge
Unternehmer und Existenzgründer, die zu günstigen
Konditionen Räume, technisches Gerät, Telefonanlage und
Sekretariat in Anspruch nehmen können. Den
Unternehmensgründern soll über mehrere Jahre die
Möglichkeit zur Entwicklung gegeben werden, damit sie sich
dann im Buxtehuder Wirtschaftsraum ansiedeln können. Derzeit
sind neun Betriebe mit 52 Beschäftigten im TZB tätig,
die auf so unterschiedlichen Gebieten wie Medizin, Werbung,
Elektronik oder Computer-Software arbeiten.
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10.
Nach Nordosten wird das Industriegebiet Ost von der Harburger
Straße begrenzt. An der verkehrsreichen Zubringerstraße
bestimmen Großmärkte für den Bau- und
Heimwerkerbedarf das Bild. Zur Zeit entstehen auf einer Fläche
von 32.000 m² ein weiterer Bau- und Gartenmarkt, ein
Bettenlager und ein Getränkemarkt mit insgesamt 250
Parkplätzen. Es werden 60 70 Arbeitsplätze
geschaffen. Kurz vor der Stadt liegt als Ausreißer
der einzige Industriebetrieb nördlich der Harburger Straße,
das Branntweinreinigungswerk Klindworth GmbH.
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 NSB
Niederelbe Schiffahrtsgesellschaft im ehemaligen Schulgebäude
Harburger Straße, 1996. -
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Im Gebäude der Grund- bzw. der früheren
Hauptschule Harburger Straße von 1871 hat die NSB
Niederelbe Schiffahrtsgesellschaft Platz gefunden. Sie ist mit
rund 1.000 Beschäftigten von denen allerdings nur
etwa 50 in Buxtehude, die übrigen auf den Weltmeeren
arbeiten der größte Buxtehuder Betrieb und
zugleich eine der größten Bereederungsgesellschaften
Deutschlands. So wird in der Nähe des Buxtehuder Hafens die
maritime Tradition der Stadt in modernster Weise
aufrechterhalten.
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Bernd Utermöhlen
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(Aktuelle Daten nach den Angaben des Amtes
für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften)
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