Kurz: Landschaftsverband Stade

Blaudruck und Batik (Maren Hansel)

Meine Kollegin Karla Lütjen und ich waren schon länger vom Blaudruck fasziniert. Da es im Stader Heimatmuseum zu diesem Thema eine gut ausgestattete Vitrine gibt, beschlossen wir, in diesem Jahr eine Aktion mit Blaudruck anzubieten. Dafür suchten wir zunächst Rat bei Fachleuten. Im Heimathaus in Scheeßel gibt es um Frau Ratjens eine Gruppe, die dieses alte Handwerk noch betreibt. Sie waren auch gerne bereit, uns die einzelnen Arbeitsschritte zu zeigen und uns zu beraten.

In Scheeßel gibt es noch eine große Menge Blaudruckprodukte
Blaudruckwerkstatt in Scheeßel

Stoffe, die mit Blaudruck bearbeitet wurden, sind blau mit einem weißen Muster. Dies wird folgendermaßen hergestellt: Der Stoff (Leinen, Seide oder Baumwolle) wird glatt auf dem Drucktisch ausgebreitet. Das zu verwendende Model wird ausgesucht. Das Model ist der Stempel, mit dem das Muster auf den Stoff gedruckt wird. Auf einem gesonderten Tisch wird der Papp, mit dem gedruckt wird, ausgestrichen. Der Papp besteht unter anderem aus echtem Gummi. Das Model wird in den Papp gedrückt und schließlich auf den Stoff gelegt. Einige kräftige Schläge auf das Model sorgen für eine gute Übertragung des Musters. Der Vorgang des Papp-Aufnehmens und Druckens wird wiederholt, bis der Stoff nach Wunsch mit Muster bedruckt ist. Nun muss der Stoff etwa vier Wochen trocknen. Der Papp hat sich dann so mit dem Stoff verbunden, dass bei der anschließenden Färbung keine Farbe an die abgedeckten Muster gerät ( Reservedruck ).

Blaudruck beim FärbenSchließlich wird der Stoff glatt hängend in die Küpe mit dem Färbebad hinuntergelassen. Nach 20 min zieht man den Stoff aus der Farbe und unter Einwirkung des Luftsauerstoffs färbt sich das Indigo blau. Um ein dunkles Blau zu erreichen, sind 10 Färbegänge notwendig. Zu diesem Zeitpunkt ist der Stoff einheitlich blau. Von einem Muster ist nichts zu sehen.

Es schließt sich das Waschen in einem schwachen Schwefelsäurebad an. Hier wird der Papp aus dem Stoff gelöst und das weiße Muster sichtbar. Dies ist besonders für Nichteingeweihte ein erstaunliches Geschehen und trug früher den leichten Geruch von Zauberei. Nun noch gut in Wasser spülen und trocknen, mangeln und glätten.

Wir sahen gleich, daß wir dieses Verfahren nicht mit Grundschulkindern durchführen konnten. Zum Einen enthalten die verwendeten Lösungen giftige Stoffe, zum Anderen wegen der langen Trocknungszeit des Papps.

Wir wollten dieses alte Handwerk aber doch den Kindern nahe bringen und studierten so am ersten Tag der museumspädagogischen Woche intensiv die Vitrine im Heimatmuseum. Dort finden wir verschiedene originale Model, eine Beschreibung der Arbeitsschritte sowie Stoffe in allen Bearbeitungsstadien. Auch Mangeln, Plätteisen und anderes Zubehör können dort besehen werden. Anhand von Photos, die wir in Scheeßel gemacht hatten, rekonstruierten wir noch einmal den Arbeitsablauf.

Dann griffen wir auf eine verwandte Färbetechnik zurück, die auch den Reservedruck kennt, aber keine langen Wartezeiten beinhaltet: das Batiken, genauer: Die Wachsbatik.

Batikt-shirts im Heimatmuseum Stade

Auch Batik ist ein altes Handwerk. Die Stoffe können in verschiedenen Farben gefärbt werden, bei aufeinander folgenden Färbegängen mischen sich die Farben. Durch Auftragen von Wachs werden bestimmte Stellen vor der Farbe geschützt, wodurch sich Muster und Bilder herstellen lassen. Die Farben sind nicht so waschecht wie beim Blaudruck, dafür vielfältiger.

Als Heranführung an den Färbeprozess probierten die Kinder zunächst verschiedene Abbindetechniken aus. Damit verzierten sie kleine Decken aus Leinen und Baumwolle sowie Baumwolltaschen. Die Färbelösungen setzten wir gemeinsam an. Nach 30 – 60 Minuten Färbezeit, während der die Stoffe ständig bewegt werden mussten, wurden die Färbestücke aus der Lösung genommen, gespült und noch mal 60 Minuten in ein Fixierbad eingelegt. Die Kinder waren zufrieden mit ihren Ergebnissen. Sie lernten aber auch, dass die Knoten und Abbindungen mehr Effekt hervorrufen, wenn diese fest ausgeführt wurden.

Auf Probestücken aus Baumwolle wurde dann das Auftragen von Wachs vor dem Färben geübt. Die Kinder malten mit Bleistift ein Muster vor und sollten dieses dann mit geschmolzenem Bienenwachs füllen, bzw. nach malen. Dazu standen ihnen Tjanting und Pinsel zur Verfügung. Das Malen mit Wachs stellte sich als schwierig heraus, da das Wachs schnell wieder fest wurde. Erst nach einiger Übung gab es Erfolge. Die Probestücke wurden gefärbt, trafen aber bei ihren Schöpfern auf wenig Liebe.

Anders war es, als wir probierten, das flüssige Wachs mit Hilfe eines Models (hier ein Schmetterling) aufzutragen. Wir bekamen gemeinsam heraus, dass das Metallmodel für einen guten Auftrag selbst etwa die Temperatur des Wachses haben sollte. Die Ergebnisse waren wieder allgemein zufriedenstellend.

Batikschmetterling aus Wachs

Als es aber nun darum ging, ein T-Shirt mit verschiedenen Techniken selbst zu gestalten, griffen die Kinder lieber auf die erfolgreich erprobten Abbindetechniken zurück. Die T-Shirts wurden gebunden, gefärbt, gespült, fixiert und schließlich von jedem Kind selbst gebügelt. Am letzten Tag präsentierten die Kinder der Färbegruppe stolz ihre farbenfrohen Hemden.

Die Batikgruppe am Ende der museumspädagogischen Woche mit ihren T-Shirts
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