Kurz: Landschaftsverband Stade

Flucht und Vertreibung zum Ende des 2.Weltkrieges

Mit dem Vorrücken der sowjetischen Armee auf deutsches Territorium beginnt in den deutschen Ostgebieten im Herbst/Winter 1944/45 eine Fluchtbewegung Richtung Westen. Bis zum Schluss wurde die Flucht vor dem anrückenden Feind unter Strafe gestellt. Viele konnten nicht mehr rechtzeitig fliehen und wurden von den russischen Truppen ausgeplündert, getötet oder zur Zwangsarbeit nach Sibirien verschleppt. Spätestens seit den Gräueltaten im ostpreußischen Ort Nemersdorf wuchs die Angst der deutschen Bevölkerung, so dass die Zahl der Flüchtlinge, wenn auch sehr spät, schnell anstieg. Für einen Großteil der Flüchtlinge und später auch der Vertriebenen sollte es ein Abschied für immer werden. Mit der Besetzung der östlichen Gebiete Deutschlands durch die sowjetische Armee und im Zusammenhang mit den Beschlüssen der Alliierten, die deutsche Grenze westwärts zu verschieben, stieg die Zahl der nun zwangsweise Vertriebenen ab Ende 1945 erneut an. In vielen Gebieten kam es zu sogenannten „wilden Vertreibungen“, die unter unmenschlichen Zuständen abliefen. Insgesamt flohen annähernd 12 Millionen Menschen aus den Ostgebieten. Nahezu 2 Millionen Menschen haben diese Flucht nicht überlebt.

Neben der Fluchtbewegung aus dem Osten kam es gegen Ende des Krieges zu einer internen Bevölkerungsverschiebung aus den bombardierten Städten in ländliche Gebiete.

Besonders die ländlichen Gebiete in Ost- und Westdeutschland wurden überproportional mit der Aufnahme von Flüchtlingen belastet, da dort eine Unterkunft und Verpflegung eher möglich war als in den Industriegebieten und zerbombten Städten. In den westlichen Besatzungszonen waren vor allem die Bundesländer Bayern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen betroffen, die im Vergleich zu 1939 einen Bevölkerungszuwachs von teilweise über 50% zu verkraften hatten.

Die Flüchtlinge und Vertriebenen waren nirgends wirklich willkommen, da es der einheimischen Bevölkerung nach dem verlorenen Krieg ebenfalls nicht gut ging. Dazu kamen unterschiedliche Sprachen und Dialekte, Bräuche und konfessionelle Unterschiede. Und später der Neid auf die ausgezahlten Entschädigungen.

Die Bevölkerung der Elbe-Weser-Region wuchs in den ersten Nachkriegsjahren sehr stark an. Die Flüchtlinge und Vertriebenen wurden in die Häuser der einheimischen Bevölkerung zwangszugewiesen. Sie mussten teilweise über Jahre unter schlechtesten Lebensbedingungen auch in öffentlichen Gebäuden wohnen. Gegen die Zwangsunterbringung bestand kaum eine Möglichkeit sich zu widersetzen.

Über die Jahre wurden die Flüchtlinge und Vertriebenen integriert. Ein Teil der Neubürger wanderte in die Industriegebiete an Rhein und Ruhr ab, als es dort im Gegensatz zu den ländlichen Gebieten wieder Arbeit gab.

Die Bedingungen normalisierten sich durch den Bau neuer Häuser und Wohnungen im Zuge des allgemeinen Wirtschaftsaufschwunges in den fünfziger Jahren.

 

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