Kurz: Landschaftsverband Stade

Hinweise zur Durchführung von Interviews:

Interviewvorbereitung

1. Gewinnung und Auswahl von Zeitzeugen:

  • Die Suche nach Zeitzeugen kann in der eigenen Familie/Verwandtschaft beginnen. Die Bereitschaft, sich für eine Befragung vor laufender Kamera/ bzw. laufendem Kassettenrecorder zur Verfügung zu stellen, kann auch als ein wichtiger Beitrag zur Familiengeschichte gesehen werden.
  • Die Gewinnung weiterer Zeitzeugen sollte in Vorgesprächen mit in Frage kommenden Nachbarn, Bekannten, älteren Bewohnern abgeklärt werden. Wenn sehr viele Interviewpartner zur Verfügung stehen, kann eine Auswahl nach verschiedenen Kriterien (Geschlecht, Alter im Untersuchungszeitraum, Herkunft usw.) erfolgen.

    2. Inhaltliche Vorbereitung des Interviews:

  • Die Interviewer müssen vor der Befragung über ein Grundwissen des Interviewthemas und des Interviewpartners verfügen. Vor dem Interview muss ein Fragenkatalog erstellt werden, damit die Ergebnisse in der Auswertungsphase vergleichbar sind.
  • Da die ersten Minuten für das ganze Gespräch wichtig sind, sollten sich die Interviewer speziell darauf vorbereiten (Begrüßung, Vorgespräch, erste Frage, Einleitung des Interviews).

    3. Organisatorische Vorbereitung:

  • In der Regel werden Zeitzeugenbefragungen (Oral History-Interview) auf Tonträger festgehalten. Die dafür notwendigen Geräte (Kassettenrekorder, Videokamera ggf mit Stativ, MD-Player, MP3 Rekorder) inklusive genügend Aufzeichnungsmaterial (Kassetten, MD´s) müssen vor dem Interview getestet werden. Der Umgang mit dem Gerät muss geübt werden. Ein externes Mikrofon ist hilfreich, um eine erforderliche Aufnahmelautstärke zu gewährleisten.

Durchführung eines Interviews

    1. Ablauf

  • Vor Beginn des Interviews sollten die Erwartungen (was wollen die Interviewer wissen, was bieten die Interviewpartner) abgeklärt werden.
  • Dazu sollte man sich vergewissern ob das Gespräch aufgezeichnet werden darf und erläutern, was im weiteren Verlauf mit der Aufzeichnung geschieht- Dabei muss auf die Anonymität des Zeitzeugen verwiesen werden. Bevor das eigentliche Gespräch beginnt, sollte ein letzter Test des Aufzeichnungsgerätes erfolgen, damit evtl. auftretende technische Schwierigkeiten beseitigt werden können. Ein externes Mikrofon kann eine verbesserte Aufnahmequalität ermöglichen.

    2. Dauer

  • Die Erinnerung an lange zurück liegende Ereignisse kann vor allem für ältere Menschen emotional belastend und anstrengend sein. Daher sollten sich solche Gespräche nicht über einen zu langen Zeitraum erstrecken (max. 90 Minuten). Gegebenenfalls sollten weitere Gesprächstermine vereinbart werden.
  • 3. Art der Fragestellung

  • Die Fragen sollten offen formuliert werden und den Gesprächspartner zum Erzählen anregen.
  • Suggestivfragen sind zu vermeiden.

    2. Gesprächsführung

  • Der Interviewer sollte sich darauf beschränken, mit seinen Fragen lediglich einen Rahmen vorzugeben, in dem der Gesprächspartner frei erzählen kann. Sobald etwas unklar erscheint, sind Nachfragen wichtig. Bei den Nachfragen soll es mehr um Ereignisse und weniger um Daten gehen. Der Interviewer sollte zwar einfühlsam und interessiert, aber inhaltlich distanziert sein, um nicht Urteile und Bewertungen ungeprüft zu übernehmen.
  • Am Ende des Interviews sollte noch einmal deutlich gemacht werden, was mit den Aussagen geschieht (Archivierung für Ortschronik, Zusammenstellung für Wettbewerbsteilnahme u.a.m.)

    3. Umgebung

  • Besonders ältere Menschen verhalten sich in der gewohnten Umgebung entspannter und authentischer. Daher sollte die Gespräche möglichst im häuslichen Umfeld durchgeführt werden.
  • Da bei einem Video- oder Tonband-Interview nur Gespräche dokumentiert werden können, sollte sich der Interviewer ggf. Notizen über Gesten oder sonstige Verhaltensweisen machen.

Auswertung eines Interviews

    1. Transkription

  • In einer wissenschaftlichen Auswertung ist die genaue Transkription des Interviews erforderlich. Eine wortgenaue Transkription als Beitrag für die Dorf- oder Stadtgeschichte ist nicht unbedingt notwendig.
  • 2. Auswertung

  • Die Auswertung ist die wichtigste, andererseits aber auch die schwierigste eines Oral History-Projekts. Je nach Erkenntnisinteresse der Interviewer sind verschiedene Möglichkeiten vorhanden:
  • - In einem Gespräch über die Interviews sollen aufgetretene Probleme der Interviewsituation bearbeitet werden.
  • - Es wird ein Vergleich der einzelnen Interviews untereinander und mit anderen Quellen durchgeführt.
  • - Die Besonderheiten im Leben der Zeitzeugen werden herausgearbeitet.
  • - Die einzelnen Interviewer fassen ihre Interviews zusammen und stellen sie den Mitschülern vor.