Kurz: Landschaftsverband Stade

Museumspädagogische Woche des
Landschaftsverbandes Stade
2010:

Licht und Lampen von
der Steinzeit bis in die Zukunft
(Hubert Hansel)

Eine ganze Vitrine im Obergeschoß des Heimatmuseums beschäftigt sich mit der Beleuchtung vergangener Zeiten und so ergab sich für Hans-Georg Ehlers und mich beinahe von selbst das Thema Beleuchtung vom Anfang der Menschheit bis in die Zukunft.

Und so führten wir der „Feuer-Gruppe“, wie sie sehr bald genannt wurde, zunächst die Leuchter aus dem Museum vor und begannen dann in einem extra frei geräumten und verdunkelten Kellerraum, ähnliche Lampen auf ihre Lichtausbeute zu testen. Beeindruckend stellte sich heraus, daß nicht nur die Lichtausbeute im Vergleich zu heutigem elektrischen Licht bescheiden war, sondern daß darüber hinaus der Betrieb der Lampen aufwendig, geruchsintensiv und auch gefährlich war.

Wie aber kam der Mensch überhaupt auf die Idee, z.B. Öl zur Beleuchtung zu benutzen? Dazu stellten wir uns zunächst einen Höhlenmenschen vor, der abends vor seinem Feuer als einziger Lichtquelle sitzt. Aber halt - „seinem Feuer“? Wo kam das denn her, wie machte man Feuer ohne Streichhölzer? Von hier erarbeiteten die Kinder sich mit einiger Hilfe das Feuerschlagen mit Feuerstein und Feuerschläger sowie mit einem sogenannten Feuerbogen. Dazu hatten wir im Hinterhof des Museums zwei Grillschalen aufgestellt, die Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt und eine Wettkampf, welche Gruppe als erste eine gut brennendes Feuer hätte, ausgerufen. Die Schüler mußten erkennen, daß es nicht so einfach ist, überhaupt ein Feuer aus einem einzigen Funken zu erhalten. Und daß nicht immer, wo Rauch ist, auch bald Feuer sein muß.

Zurück in unserer Geschichte vom Höhlenmenschen, dessen Feuer wir ja nun auch machen konnten, stellten wir uns vor, einer müsse jetzt aus irgend einem Grund vor die Höhle. Wie das Feuer mitnehmen? Ein brennendes Holzscheit gibt nicht viel Licht und brennt eher mäßig. Birkenrinde, das hatten die Kinder gemerkt, brennt allerdings besser als ein gewöhnliches Holzscheit. Also umwickelten sie Holzlattenabschnitte mit Birkenrinde und hatten bessere, nicht aber befriedigende Fackeln. Noch besser, aber immer noch nicht wirklich überzeugend brannte diese Fackel, wenn man sie mit Birkenpech bestrich. Was für eine Schmiererei!

Zurück zur Beleuchtung ohne Holzstiel: Mit etwas Hilfe erinnerten sich die Kinder, daß ins Feuer tropfendes Fett gut brennt. Also ließen wir Flomen und Bauchspeck aus, gossen das so entstandene Öl in Schalen, stellten „Dochte“ aus Torf hinein und hatten in unserer improvisierten Höhle helles, langsam brennendes Licht nach Art der Inuit. Hier verzweigte sich der „rote Faden“ in zwei Richtungen: Fetthaltige Feststoffe mit einem Docht, also Kerzen, und flüssige Fette, Öle, in Öllampen.

Fettleuchter nach Art der Inuit

Eine Öllampe, wie sie auch in einem Museum sein könnte, nahmen wir mit Olivenöl in Betrieb. Auch dies war recht geruchsintensiv. Kerzen schienen die Lösung. Aus Wachs. Bienenwachs. Das konnte sich jeder vorstellen. Also erhielten die Kinder Bienenwachstafeln und eine fertigen Docht. Kerzen rollen und kneten war nicht schwer, aber der Docht wollte nicht brennen, wenn man ihn nicht vorher in Wachs getaucht hatte. Danach aber überzeugten die Ergebnisse auf Anhieb.

Die ersten selbst gemachte Bienenwachskerzen
Zufriedene Kerzenmacher

Eine andere Technik, Kerzen herzustellen war in der Vergangenheit und ist es bis heute das Kerzen Ziehen. Dabei wird ein mit Wachs getränkter und dadurch steifer Docht in ein Behältnis mit flüssigem Wachs getaucht und sofort wieder herausgezogen. Das so auf den Docht aufgebrachte Wachs muß hart werden, bevor dieser Docht wieder getaucht werden kann. Jeder Tauchvorgang trägt neues Wachs auf die entstehende Kerze auf, nach etwa 50 mal Tauchen ist eine ansehnliche Kerze entstanden. Wir beschleunigten den Vorgang, indem wir zwischen zwei Wachstauchungen das Zwischenprodukt in einen Behälter mit kaltem Wasser tauchten und die Kinder noch 10 mal Mississippi sagen mußten, bevor die entstehende Kerze wieder ins Wachs durfte. Bei diesem Verfahren zeigten die Ergebnisse, wie gewissenhaft die Kinder gewesen waren. Auch dies war ein großer Spaß gemischt mit vielen Erfahrungen und Geschichten darüber, daß früher Kerzen teuer waren und deshalb alle möglichen Fette zur Kerzenherstellung verwendet wurden. So machten in der Regel die Handwerker, bei denen Fett als Abfall anfiel, auch Kerzen.

Diese Kerzen probierten wir wieder in unserer Höhle aus. Sie hatten genauso viel Lichtausbeute wie die Fettlampen, rochen aber sehr viel angenehmer.

Bienwachskerze in der Höhle
In der improvisierten Höhle zeigt sich die Lichtstärke von Bienenwachskerzen

Beim Licht dieser Kerzen sprachen wir dann auch über Gegenwart und Zukunft der Beleuchtung: Die Gegenwart, in der seit 100 Jahren Drähte in Glühbirnen zum Glühen/Leuchten gebracht werden, in der parallel dazu Gase in Leuchtstoffröhren zum Leuchten angeregt werden und in der dieser Leuchtstofflampen immer kleiner werden und als Energiesparlampen verkauft werden und die Zukunft, in der Licht emittierende Dioden (LEDs) diese Energiesparlampen schon wieder ersetzen werden, weil sie ca. ein Zehntel des Verbrauchs von Energiesparlampen haben.

Am letzten Tag, an dem die Schüler ihren Mitschülern zeigen und erklären konnten, was sie die ganze Woche über kennen gelernt hatten, fand die “Feuer-Station” großen Zuspruch.

Lichtshow im Stader Heimatmuseum
Auch die Besucher der Präsentation am Ende der museumspädagogischen Woche waren Feuer und Flamme von der Vielzahl der Beleuchtungsmöglichkeiten.