Kurz: Landschaftsverband Stade

Modellprojekt Landkreis Rotenburg / Landkreis Stade / Landschaftsverband Stade:

Twee Spraken sünd mehr as een – Mehrsprachigkeit im Kindergarten

Im Rahmen der Veranstaltungsfolge „Plattdüütsch, een Spraak stellt sick vör“ der Heimat- und Fördergemeinschaft Börde Heeslingen wurde im September 1998 eine Vortragsveranstaltung zur Mehrsprachigkeit im Kindergarten mit Cornelia Nath (Ostfriesische Landschaft Aurich) durchgeführt. Unter den Zuhörerinnen erwuchs ein spontanes Interesse, um das in Ostfriesland erprobte Konzept auch in hiesigen Kindergärten umzusetzen. Bereits im Dezember 1998 trafen sich Erzieherinnen/ Spielkreisleiterinnen aus zunächst zwölf Einrichtungen, um sich über Absprachen und Vorgehensweise zu verständigen. Daraus ist ein Arbeitskreis Mehrsprachigkeit in Kindergarten und Spielkreisen im Landkreis Rotenburg entstanden, an dem derzeit Erzieherinnen aus ca. 14 Einrichtungen regelmäßig teilnehmen. Die Erzieherinnen sind nach wie vor im Einsatz und haben im letzten Jahr das 10-jährige Bestehen "gefeiert".

Im Laufe vergangener Jahre entstand die Idee der Unterstützung dieses Arbeitskreises und eine mögliche Ausweitung durch den Landkreis Rotenburg. In Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Stade wurde ein Konzept entwickelt, welches die frühe Mehrsprachigkeit Hochdeutsch/Plattdeutsch fördern soll. Drei Erzieherinnen sind als Ansprechpartner für die Bereiche Nord – Mitte – Süd im Kreisgebiet zuständig und sollen Informationen weitergeben, für Fragen zur Verfügung stehen und bei Interesse Kindergärten und –spielkreisen bei der Umsetzung des Konzeptes behilflich sein. Fachliche Unterstützung erhalten die Ansprechpartnerinnen durch den Landkreis Rotenburg, den Landkreis Stade und den Landschaftsverband Stade

Das Ziel dieses Modellprojektes ist, einen aktiven Beitrag zum Erhalt der Mehrsprachigkeit Hochdeutsch/Plattdeutsch im Landkreis Rotenburg zu leisten. Der Kindergarten ist die erste Stelle, von der aus Sprachplanung und Spachförderung institutionell und flächendeckend eingesetzt werden kann. Die sprachliche Realität, von der die Kinder umgeben sind, ist auch heute vielfach noch zweisprachig. Die Möglichkeit, in dieser zweisprachigen Umgebung hineinzuwachsen, darauf zu reagieren und sich selbstbewußt behaupten zu können, ist eine großartige Ressource: Mehrsprachigkeit ist eine Chance und kein Hindernis.

Die betreuenden Erzieherinnen, die schon seit Jahren im Bereich Mehrsprachigkeit arbeiten, haben die Plattdeutschförderung als wesentliche Bereicherung ihre Arbeit im Kindergarten erfahren. Neben Widerständen und Vorbehalten, die es bei der Umsetzung des Konzeptes als „Einzelkämpfer“ zu überwinden galt, ist die Begeisterung und das Interesse der Kinder an der „neuen“ alten Sprache der Grund, jetzt auch anderen Erzieherinnen Mut zu machen, sich mit dem Konzept der Mehrsprachigkeit zu beschäftigen.

Grundsätze des Modellprojektes sind:

  • das Angebot darf den Kindern nicht schaden
  • Kinder mit einer anderen Muttersprache als Hochdeutsch oder Plattdeutsch dürfen nicht ausgegrenzt werden
  • Integrationskindergärten dürfen nicht ausgeschlossen werden
  • Freiwilligkeit bei den Erzieherinnen/Erziehern
  • Einverständnis der Eltern
  • kein Erfolgsdruck für die Kinder
  • Materialien für die Arbeit sind unter anderem in einem Startkoffer, den jede der drei Mitarbeiterinnen erhält, zusammengestellt. Neben Liederbüchern, Spielen, Materialsammlungen, Bücher und Kassetten gehören auch Broschüren, Artikel aus Fachzeitschriften und Informationsmaterial über Mehrsprachigkeit zur Ausstattung, die von interessierten Kindergärten/Spielkreisen ausgeliehen werden können.
  • Hinweise

    Die Geschäftsstelle des Landschaftsverbandes Stade, Tel. 04141/46300, und Herr Hans Hinrich Kahrs, Tel. 04765/780, stehen für Fragen ebenfalls gern zur Verfügung.