Kurz: Landschaftsverband Stade

Trachten und Tanz

Die Teamerinnen Nicola Trispel und Mila Ruempler-Wenck in Tracht vor der Trachtenvitrine

Die Teamerinnen Mila Ruempler-Wenck und Nikola Trispel vor der Trachtenvitrine des Heimatmuseums Stade

Eine Besonderheit des Heimatmuseums ist die Altländer Trachtensammlung, bei der verschiedene Männer-, Kinder- und Frauentrachten zu sehen sind. Doch beim Angucken sollte es natürlich nicht bleiben, sondern wir wollten die Kinder erleben lassen, wie es sich anfühlt, eine Tracht zu tragen und darin zu tanzen.

Als ob die Zeit zurückgedreht wäre - die Trachtentruppe im vollen Ornat

Dabei hatten wir dankenswerterweise die Unterstützung von verschiedenen Seiten: Frau Stölken von der Altländer Trachtengruppe lieh uns Alltagstrachten aus, die wir die ganze Woche über tragen durften, Frau Neick, eine Tanzlehrerin der Schule, unterstützte uns dabei, moderne Tanzschritte in den traditionellen Tanz zu integrieren, und die Stader Stadtführerin Frau Brammer besuchte uns in ihrer Festtagstracht und beantwortete die vielen Fragen, die man nur beantworten kann, wenn man selbst einmal eine Tracht genäht und zusammengestellt hat.

So lernte unsere Gruppe die Trachten und die Bedeutung der einzelnen Trachtenteile kennen, die Aufschluss über Alter, Familienstand und Anlass geben, und sie erfuhr von den Unterschieden zwischen Alltags- und Festtagstracht sowie zwischen Trachten aus verschiedenen Gegenden. Außerdem experimentierten wir mit verschiedenen Tanzstilen und Schrittfolgen und entwickelten unseren eigenen Tanz, den wir am Freitag der Schule vorführten.

Anziehen der Arbeitstracht: Mindestens eine halbe Stunde!Die Alltagstracht, so wie wir sie trugen, bestand aus weißen Kniestrümpfen, einem langen Rock, einer langen Schürze, einem weißen Hemd, einer Weste, der Wuss (eine Art Halstuch), und einer bestickten Haube, unter der mit einer Menge an Haarklammern das Haar so gut es eben ging versteckt wurde. Das Ankleiden dauerte jedes Mal mindestens eine halbe Stunde. Die Jungs hatten es da einfacher: Mit Jeans, Fischerhemd und einem roten Halstuch waren sie schnell verwandelt.

Gegenüber dem Heimatmuseum befindet sich das Freilichtmuseum auf der Insel mit einem Altländer Bauernhaus, das wir besuchten, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie das Leben auf einem Altländer Bauernhof wohl gewesen sein könnte. Dazu gehörte nicht nur die tägliche harte Arbeit, sondern auch das Feiern und Tanzen. Öffentliche Tanzmusik gab es nur zu bestimmten Anlässen, wie z. B. Hochzeiten oder auf Jahrmärkten; und das gemeinsame Tanzen in Gruppen zu mehreren Personen (Gesellschaftstanz war noch nicht als Paartanz verbreitet) war sehr beliebt in Zeiten, in denen die „Freizeit“, wie man sie heute kennt, noch nicht „erfunden“ war. Wer mittanzen wollte, musste die teilweise sehr komplizierten Tanzformationen kennen.

Schon die Anfangsaufstellung zu finden ist nicht leicht

 So schreibt es Hinrich Behr in seinem 2009 erschienenen Werk „Die Altänder Noten- und Tourenbücher von 1791 und 1792“. Darin zeigt und erklärt er Aufzeichnungen von Tänzen und Noten aus zwei Tanzlehrbüchern von 1791 und 1792. Es gab damals viele solcher Tanzbücher, die dazu dienten, die Tänze zu sammeln, z. B. von Tanzlehrern, die auf den kleinen Sälen des Dorfes oder auf den Höfen den Jugendlichen die Tänze beibrachten. Ebenso wurden sie von den Schülern als Übungsbuch genutzt, um auch alleine üben zu können. Die Bücher wurden von Generation zu Generation weitergegeben und ergänzt.

Heute oder vor 100 Jahren aufgenommen?

Während der Woche tanzten wir abwechselnd in der Aula der Schule oder auf dem Gelände des Freilichtmuseums, welches eine sehr schöne Kulisse für uns bot. Die Schüler und Schülerinnen konnten uns zeigen, was sie bisher in ihrer Tanz-AG gelernt hatten, und zusammen erarbeiteten wir uns die traditionellen Tanzschritte. Schnell ergab sich eine Schrittfolge, die wir beibehielten und mit modernen Tanzelementen kombinierten. Wir entwickelten für Freitag einen Tanz, den wir in der Aula vorführten und der unsere Zuschauer begeisterte.

Museumspädagogische Station Trachten und Tanz in Arbeitstrachten
...und noch einmal in Arbeitstrachten vor dem Heimatmuseum Stade.