L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   S C H R I F T E N R E I H E


Neuerscheinung:


Von Schlachten und Überfällen

Zur Geschichte der Deiche an Mittelweser, Wümme und Aller


von Michael Ehrhardt und Norbert Fischer



Der Landschaftsverband Stade hat das Buch „Von Schlachten und Überfällen. Zur Geschichte der Deiche an Mittelweser, Wümme und Aller“ in Verden und in Thedinghausen öffentlich vorgestellt. Es beschreibt die Jahrhunderte lange Entwicklung von Deich- und Wasserbau in den Flussmarschen der Mittelweserregion, die von Ritterhude im Norden bis Hoya im Süden reicht. In mehrjähriger Projektarbeit haben die beiden Autoren Dr. Michael Ehrhardt (Bremervörde) und Dr. Norbert Fischer (Hamburg) den Wurten- und Deichbau, die mittelalterliche Hollerkolonisation, die Herausbildung und Entwicklung von Deichgenossenschaften und -verbänden, Hochwasserschutz und Flussregulierungen im 19. und 20. Jahrhundert und viele weitere Aspekte der Kulturgeschichte dieser Region erforscht. Auch kleinere Flüsse wie die Hamme bei Ritterhude, die Wörpe bei Lilienthal und die Eiter bei Thedinghausen nimmt die anschaulich geschriebene und mit zahlreichen farbigen Abbildungen und Karten illustrierte Darstellung in den Blick. – Das neue Buch ist der achte und letzte Band der „Geschichte der Deiche an Elbe und Weser“, die von den beiden Autoren seit 2000 geschrieben worden ist: Damit liegen nun Darstellungen über die Deich- und Marschenregionen Altes Land, Land Kehdingen, Ostemarsch, Land Hadeln, Cuxhaven mit Neuwerk, Land Wursten, Unterweser zwischen Bremerhaven und Bremen sowie Mittelweser mit Wümme und Aller vor.

 

Bis 1717 war es in Eissel unfern der Mündung der Aller in die Weser üblich, dass privat „geschlachtet“ wurde: Jeder Bauer durfte vor seinem Weserdeich eine „Schlacht“ in den Fluss legen, d. h. ein Bauwerk zum Uferschutz in den Fluss „schlagen“. In den folgenden Jahren errichtete die Dorfgemeinschaft dann ein großes „Schlachtwerk“ am Ufer der Mittelweser. Die bekannteste „Schlachte“ ist wohl die Weserpromenade vor der Bremer Altstadt. Ebenso merkwürdig wie die „Schlachten“ mutet heutzutage die Bezeichnung „Überfälle“ an, wenn sie im Zusammenhang mit Deichbau und Hochwasserschutz gebraucht wird. „Überfälle“ nannte man Deiche, deren Profil ein dosiertes Einlassen des Schlickwassers zur natürlichen Düngung des Landes erlaubte. Schlachten und Überfälle als wasserbautechnische Begriffe waren nur in der Mittelweserregion üblich – der besonderen Marsch- und Flusslandschaft an Weser, Aller, Wümme, Hamme und Wörpe. Hier im Binnenland brauchten Deiche weniger den hohen Wellen von Sturmfluten zu trotzen, vielmehr mussten sie lang anhaltende Hochwasser abhalten, die von den Oberläufen der Flüsse kamen. Mit Schlachten gesicherte Deiche waren und sind daher in der küstenfernen Mittelweserregion zwischen Ritterhude und Hoya notwendig und kulturlandschaftsprägend.


Deiche sind die größten von Menschenhand geschaffenen Monumente an den Küsten und Flüssen Norddeutschlands. Auch weit im Binnenland, an Mittelweser und Aller, an Wümme, Hamme und Wörpe sind sie von existentieller Bedeutung für den Schutz des Landes und des Lebens. Zwischen Ritterhude, Lilienthal, Ottersberg, Bremen, Achim, Thedinghausen, Verden und Hoya schützen Deiche vor Überschwemmungen und Hochwasser, das die Mittelweserregion von den Oberläufen der Flüsse her erreicht und insbesondere in Zeiten der Schneeschmelze oder nach schweren Regenfallen immer wieder bedroht. Die Deiche sind hier nicht allzu eng am Ufer gebaut, um Hochwasser Raum zu bieten, und sie müssen in der Lage sein, ein gegen den Deich drückendes Hochwasser über einen längeren Zeitraum hinweg auszuhalten.

Nicht selten mussten die Menschen früher abwägen, ob der Bau von durchgängigen Deichen für ihre Zwecke überhaupt sinnvoll war. Denn zu bedenken war immer auch der erwünschte Düngungseffekt des sedimentreichen Flusswassers für Wiesen und Felder. So stehen Deich- und Wasserbau im Binnenland seit jeher im Zeichen sowohl des Schutzes vor Überschwemmungen als auch der Nutzbarmachung des Wassers. Ihre facettenreiche Geschichte erzählt dieses Buch.



Die Autoren:


Michael Ehrhardt, geb. 1966 in Bremervörde, Dr. phil., Historiker, seit 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Landschaftsverband Stade e. V., Lehrbeauftragter für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Universität Hamburg; Forschungsschwerpunkte: Regional- und Lokalgeschichte des Elbe-Weser-Raums, Niedersachsens und Ostpreußens, Geschichte der Frühen Neuzeit,

Sozial- und Agrargeschichte; Monographien zur Geschichte einzelner Dörfer und Regionen sowie zur Geschichte der Deiche im Alten Land, im Land Wursten und an der Unterweser.



Norbert Fischer, Dr. phil.; Sozial- und Kulturhistoriker, freier wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Stade e.V., Ehrenprofessor an der Universität Hamburg; Forschungsschwerpunkte: Küstengeschichte und -kultur, norddeutsche Regionalgeschichte, Landschaftsgeschichte, Geschichte von Tod und Gedächtniskultur. Buchpublikationen u. a. zur Geschichte der Deiche an der Oste (2011), in Hadeln (2007) sowie in Cuxhaven und auf der Insel Neuwerk (2016).


Von Schlachten und Überfällen - Zur Geschichte der Deiche an Mittelweser, Wümme und Aller von Michael Ehrhardt und Norbert Fischer (Geschichte der Deiche an Elbe und Weser VIII) 568 Seiten, über 200 farbige Abbildungen, fester Einband mit Schutzumschlag, 34,80 Euro, ISBN 978-3-931879-70-9



NÄHERES:  Landschaftsverband Stade, Im Johanniskloster, 21682 Stade, Telefon (04141)46300, Fax: (04141)47163, ( www.landschaftsverband-stade.de ), Bestellungen auch per


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