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Museologie beim Landschaftsverband Stade: Hier sollen Texte entstehen, die allgemeine Hinweise für viele der Themen, zu denen in den letzten Jahren Fragen auftauchten, geben sollen. Die Texte werden bei neuen Erkenntnissen erweitert bzw. erneuert, ergänzt oder ersetzt. Anregungen werden von Hubert Hansel gern entgegen genommen.

Belichtung und Beleuchtung von
Museums-Exponaten

Licht stellt nicht nur ein Mittel zur Inszenierung von Ausstellungen dar, es hat auch seine eigene Wechselwirkung mit Museumsobjekten. So können falsch angebrachte oder falsch ausgesuchte Leuchtkörper Ausstellungsvitrinen oder auch ganze Räume aufheizen und so dazu führen, daß die darin gelagerten Gegenstände sich durch diese Wärme regelmäßig ausdehnen und wieder schrumpfen. Dieses „Arbeiten“ aber beansprucht diese Materialien stark bis hin zur Zerstörung. Man könnte sogar von künstlicher Alterung durch falsche Leuchtmittel sprechen. Um aber zu entscheiden, welche Beleuchtungsmethode den eigenen Räumlichkeiten / Vitrinen am besten dient, muß man zunächst die Möglichkeiten kennen:

Welche Lichtarten zur Beleuchtung von Exponaten gibt es überhaupt und welche Auswirkungen haben sie?

Angefangen bei der herkömmlichen Glühbirne, deren stärksten Vertreter mittlerweile aus dem Handel genommen worden sind: Diese Glühbirnen sind in erster Linie Heizgeräte, die als Nebenprodukt Licht abwerfen. Der größte Teil der eingesetzen Energie wird in diesen Lampen in Wärme umgewandelt, der Anteil, der Licht produziert liegt unter 20 %. Aus ökologischen Gründen sind diese Leuchtmittel mit 100 W, 75 W und 60 W in Europa nicht mehr im Handel. Im außereuropäischen Ausland wie etwa der Schweiz sollen sie aber nach wie vor problemlos zu erhalten sein.

Um diesen hohen Anteil verschwendeter Energie zu reduzieren wurden parallel Leuchtstoffröhren eingesetzt. Diese kann man nicht fokussieren, zur Objektbeleuchtung taugen sie nicht. Eine Unterart der Leuchtstoffröhren sind die Energiesparlampen. Sie sind miniaturisierte Leuchtstoffröhren, können aber nur begrenzt fokussiert werden und haben den Nachteil, daß sie bei Beschädigung Chemikalien freigeben, die im Museum nicht zu suchen haben. Auch brauchen heute noch viele von ihnen geraume Zeit, bis sie ihre volle Helligkeit und Lichtfarbe erreicht haben.

Abgelöst wurden die “normalen” Glühlampen durch die Niedervolt-Halogentechnik. Diese Leuchtkörper entwickelten, nachdem ein Transformator die Netzspannung auf 12 V reduziert hat, ein sehr helles, warm wirkendes Licht. Sie erreichen im Betrieb Temperaturen von ca. 600°C, beim parallelen Betrieb von unterschiedlich starken Leuchtmitteln können gefährlich starke Ströme entstehen, sie sollten also nur von Fachleuten installiert werden. Für die Museumsexponate sind diese Leuchtmittel gefährlich, weil sie einen hohen Anteil von IR-Strahlung, also Wärme, auch noch in einiger Entfernung auf das Museumsobjekt bringen und damit aktiv zur Alterung des beleuchteten Objektes beitragen. Auch heizen sie den Raum auf, was bei einer einzigen “Birne” noch vernachlässigenswert ist, da diese Beleuchtung aber als Punktbeleuchtung eingesetzt wird, kommt mit hohen Stückzahlen auch eine merk- und messbare Heizwirkung zustande. Die “warme” Lichtwirkung dieser Lampen, einer ihrer großen Vorteile, führte dazu, daß die Konsumenten von nun an Leuchtmittel auch nach ihrer Lichtwirkung beurteilen und einkaufen: 3000 K (Kelvin) gelten als “warmweiß” - gemütlich - , 5300 K gelten als “tageslichtweiß” - grell -.

Die Niedervolt-Halogentechnik wurde und wird von Halogenlampen begleitet, die mit der normalen Netzspannung (235 V) betrieben werden, es sind also keine Transformatoren nötig. Auch diese Leuchtmittel erzeugen bei hohem Verbrauch eine starke Hitze, sind also nur bedingt museumstauglich. Aus persönlicher Erfahrung kann ich berichten, daß es auch passieren kann, daß sich die aus Sicherheitsgründen an diesen Leuchtkörpern angebrachten Glasscheiben lösen und dann mit ihren etwa 600°C auf den Teppich darunter fallen können. Bei mir hat das dazu geführt, daß sich diese Glasscheibe in den Teppich eingeschmolzen hat. Man sollte also solche Leuchtmittel nicht über brennbaren Materialien installieren.

Als neueste Entwicklung setzen sich in der Museumswelt LED-Leuchtmittel durch. LED ist dabei die Abkürzung für Licht Emittierende Diode. Diese LEDs erzeugen auch Wärme, sie strahlen sie aber nicht auf das Objekt. Sie sind dabei im Verbrauch weit sparsamer, als die Energiesparlampen, können fokussiert und gedimmt werden und sind für Museumsexponate völlig ungefährlich, bringen auch keine Chemikalien mit sich. Ihre hohe Lebensdauer und Energieersparnis kompensiert dabei den zunächst hoch erscheinenden Einkaufspreis. In der Anfangsphase war ihre Lichtfarbe oft unbefriedigend, diese Probleme sind aber gelöst, es gibt sie auch in den verschiedenen Lichtfarben warmweiß und tageslichtweiß. Auch sie verwandeln übrigens ca. 80% der verbrauchten Energie in Wärme um, allerdings sind 80% von 1,9W erheblich weniger als 80% von 20W bzw. von 150W. Ein Problem, das sicherlich noch der Beobachtung bedarf, ist die gleichbleibende Qualität der LED-Leuchtmittel. Bei einer erwarteten Lebenszeit von 50.000 Stunden ist es zunächst nicht sicher, daß in dieser Zeit die Leuchtstärke nicht nachlässt. Einige der renommierten Hersteller nun geben die Garantie, daß ihre Leuchtmittel über einen langen Zeitraum hinweg sowohl dieselbe Lichtfarbe also auch Lichtstärke haben. Noch höher spezialisierte Hersteller erhalten die gewünschte Kelvinzahl, also die Lichtfarbe, indem sie sie aus den drei Grundfarben mischen. Sie können noch exakter das Tageslicht widergeben, bei diesem System muß man aber um so sicherer sein, daß die einzelnen Komponenten auch über lange Zeit ihre Werte nicht verändern. Mit solchen LEDs kann das Licht auch eingefärbt werden. Und dies führt zu einem in meinen Augen neuen Problem: Mit farbiger Beleuchtung kann ich jedem Gemälde einen ganz anderen Charakter geben. Wo aber liegt der Wille des Künstlers? Muß in Zukunft auch noch die Lichtfarbe definiert werden, mit der ein Gemälde oder farbig gefasstes Kunstwerk beleuchtet wird?

Was kann denn daran Sünde sein?

Ebenso schädlich wie Infrarotes Licht, also Wärmestrahlung, ist der Anteil an ultraviolettem (UV-) Licht, der von einigen Beleuchtungen ausgeht und zum völligen Verschwinden z.B. von Schrift und Farbigkeit führen kann. Tageslicht hat einen hohen Anteil an UV-Licht, aber auch die Halogenleuchtkörper und Energiesparlampen strahlen UV-Licht ab. In der Vergangenheit wurden oft Richtlinien veröffentlicht, die von einem höchstens zumutbaren LUX-Wert ausgingen, oft wurden hier die Grenzen 150 bzw. 50 Lux genannt. Neuere Untersuchungen aber zeigen, daß auch dies noch nicht den ultimativen Schutz bietet, vielmehr sollte die Lichtbelastung zusätzlich zur Stärke auch in ihrer Dauer eingeschränkt werden. Wobei es ohnehin nicht zu verstehen ist, warum empfindliche Exponate künstlicher Beleuchtung ausgesetzt werden, wenn keine Besucher im Raum sind. Es gibt Steuerungssysteme, die eine Raum- oder Vitrinenbeleuchtung in Betrieb nehmen können, sobald sich jemand einer Vitrine oder einem Ausstellungsstück nähert und sofort wieder ausschalten, wenn die Person sich entfernt. Dies gibt dem Besucher auch noch einen besonderen Reiz. Und die Belastung durch UV-Licht aus Tageslicht kann durch entsprechende Lichtschutzfolien an den Fenstern vollkommen verhindert werden.

Nicht zuletzt ist bei einigen Leuchtmitteln die Sicherheit im Schadensfall nicht zu vergessen: Was passiert, wenn eine Glühbirne / Energiesparlampe / Leuchtstoffröhre platzt, welche Chemikalien und welche Mengen von Glassplittern drohen dann mit welchen Temperaturen auf die Exponate oder die Besucher herabzuregnen? Bei Leuchtstoffröhren kann zumindest die Splitterwirkung durch aufgezogene Plastikrohre abgefangen werden.

Und was also tun?

Aktuell scheinen sich in der Museumswelt die LED-Beleuchtungssysteme durchzusetzen, wenn es darum geht, Licht über kurze Strecken, also in geschlossenen Räumen, zu transportieren. Es gibt auch schon LED-Systeme, die zur Straßenbeleuchtung eingesetzt werden, hier ist die Entwicklung noch in vollem Gange. Nicht als Hintergrundbeleuchtung, aber für die Inszenierung von Museumsobjekten scheint die LED-Technik ideal: keinerlei UV-Anteil, keine Wärmestrahlung auf dem Objekt, keine frei werdenden Chemikalien im Schadensfall. Es könnte sogar zu Personaleinsparungen kommen, wenn sich die avisierte Lebensdauer von 50.000 Stunden bewahrheiten sollte.

LED-Systeme gibt es zum Einbau in vorhandene Schienensysteme anderer Leuchtenhersteller , es gibt also keinen Grund mehr, schädliche Halogenstrahler zur Beleuchtung von lichtempfindlichen Objekten einzusetzen. Es werden auch LED-Leuchtmittel angeboten, die nicht nur in der Helligkeit dimmbar sind, sondern auch in der Farbe veränderbar, was im Museumsbereich wohl eher unerwünscht ist, Museumsshop aber schon wieder verkaufsfördernd wirken kann. Bei diesen LEDs wird der weiße Farbton nicht durch einzelne Dioden erreicht, sondern durch die Kombination von roten, gelben und blauen Leuchtdioden. Die Ausstellungsmacher können bei diesem System den Farbton selber wählen, mit dem sie ihre Objekte beleuchten, und wissen, daß ihre Objekte vor UV- und IR-Lichtanteilen geschützt sind.

Bei der Vitrinenbeleuchtung zeichnet sich eine ernstzuSchwanenhalsleuchten - völlig unschädlich für Museumsgutnehmende Lösung sowohl der Probleme im Schadensfall, als auch der Probleme mit UV- bzw. IR-Licht ab: Systeme, in denen das Licht außerhalb der Vitrine hergestellt und dann per Glasfaserkabel in die Vitrine und an die Objekte herangeführt wird (nach Art der bekannten Schwanenhalsleuchten). Auf diese Weise bleibt die Hitze der meist als Lichtquelle dienenden Halogenleuchte außerhalb der Vitrine, durch das Glasfaserkabel wird der UV-Anteil herausgefiltert. Diese Glasfaserbeleuchtung gibt es auch dimmbar und mit LEDs als Lichtquelle. Aus einer einzigen Lichtquelle können damit bis zu 30 einzelne Lichtstränge in eine oder mehrere Vitrinen geführt werden. Die Länge der Glasfaser kann dabei bis zu 12 m betragen, ohne daß ein erkennbarer Verlust an Leuchtkraft entsteht.

Auch die Begrenzung der Einsatzmöglichkeiten von LEDParallelogramm als Lichtkegel: Gobo-Spots durch ihren runden bis elliptischen Lichtkegel ist aufgehoben, in Anlehnung an professionelle Theaterscheinwerfer gibt es die sogenannten Gobos, fokussierbare LED-Spots, bei denen der Lichtkegel an allen Seiten geradlinig begrenzt werden kann, es sind also Rechtecke, Dreiecke und alle möglichen Parallelogramme möglich.

Mittlerweile gibt es auch Vitrinenhersteller, denen es gelungen ist, LEDs nahezu unsichtbar in das Vitrinenglas selbst einzulassen. Optisch leuchten im Vitrinendeckel einzelne Punkte, Anschlußkabel oder dergleichen sind nicht zu sehen. Man darf gespannt sein, was die Zukunft noch so bringt.

In jedem Fall sollte also, sobald die Notwendigkeit besteht, die Beleuchtung zu ändern, sorgfältig geplant werden, welche Ansprüche an die Beleuchtung bestehen und dementsprechend sollten dann die Leuchtmittel ausgewählt werden. Weder ist es sinnvoll, ein ganzes Haus mit Foyer und Toiletten auf LED umzurüsten, noch sollte der günstigere Einkaufspreis von Energiespar- bzw. Niedervolthalogenlampen für ihren Einsatz in allen Bereichen sorgen. Wie überall gilt: Eine für alles gültige Lösung gibt es nicht, bewußt und entsprechend der Ansprüche der zu beleuchtenden Objekte Einzelfälle entscheiden sollte die Devise sein.

Dezember 2011