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Museologie beim Landschaftsverband Stade: Hier sollen Texte entstehen, die allgemeine Hinweise für viele der Themen, zu denen in den letzten Jahren Fragen auftauchten, geben sollen. Die Texte werden bei neuen Erkenntnissen erweitert bzw. erneuert, ergänzt oder ersetzt. Anregungen werden von Hubert Hansel gern entgegen genommen.

Diebstahlschutz und Sicherheit

Eines ist sicher: es gibt keine 100%ige Sicherheit für kleines Geld. Je attraktiver die Objekte sind, die ein Museum ausstellt, desto mehr Leute gibt es, die bereit sind, sich diese Objekte illegal anzueignen und dafür auch Kosten und Mühen nicht scheuen, möglicherweise auch zur Anwendung von Gewalt bereit sind. Man kann lediglich versuchen, es solchen Leuten so schwer zu machen, daß sie von ihrem “Vorhaben” ablassen.

Unterscheiden muß man im Museums- wie auch im privaten Bereich zwischen Bösewichtern, die zur allgemeinen Geldbeschaffung wahllos vermeintlich wertvolle Gegenstände stehlen und solchen, die gezielt die vom Museum gesammelten Pretiosen stehlen wollen. Vandalismus ist dann noch ein eigenes Thema. Bei der ersten Gruppe gehe ich davon aus, daß sie außerhalb der Öffnungszeiten kommen und sich zunächst gewaltsam Einlaß in das Gebäude verschaffen müssen. Diese Leute scheinen zumindest im Moment und im Landkreis Stade Fenster und Terassentüren für die schwächsten Stellen der Außenhautsicherung zu halten. Hier gibt es einfache mechanische Möglichkeiten, um die Zeit, die es braucht, ins Gebäude zu kommen, wesentlich zu erhöhen. Ansprechpartner für diese gesamte Problematik findet man bei den örtlichen Polizeibehörden, aber auch bei der Gebäudeversicherung. In beiden Institutionen sitzen Fachleute, die gern bereit sind, vor Ort eine Prüfung der Sicherheit durchzuführen und Vorschläge zu deren Verbesserung zu machen. Eine Faustregel dieser Fachleute besagt, daß die meisten Einbrecher der ersten Kategorie sich schon nach fünf erfolglosen Minuten entmutigen lassen und das Weite suchen. Gegen Diebe, die ganz gezielt aus diesem Gebäude einen bestimmten Gegenstand stehlen wollen helfen solche mechanischen Diebstahlsicherungen allerdings nicht. Solche Leute ziehen die gesamte Außenhaut ins Kalkül, wenn es darum geht, Zugang zum Gebäude zu finden. Aber auch dagegen gibt es Mittel: Alarmmelder in Tapeten, unsichtbar und wirksam, sobald die Außenhaut durchbrochen wird und natürlich Bewegungsmelder verschiedenster Bauart.

Aber auch ohne rohe Gewalt: Gerade bei Museumsgebäuden ist es oft nötig, daß viele verschiedene Leute aus den unterschiedlichsten Gründen Zugang, d.h. Schlüssel fürs Haus haben. Hier kommt es leicht zu Verwirrung, oft sind nicht alle ausgegebenen Schlüssel auffindbar, was wiederum Schwierigkeiten mit der Versicherung hervorrufen kann usw.. Eine wirklich überzeugende Lösung sind programmierbare Schließzylinder und Schlüssel. Diese Zylinder sind mechanisch vergleichbar mit allen herkömmlichen Zylindern, sie werden aber mit programmierbaren Schlüsseln bedient. Und diese Schlüssel können so eingestellt werden, daß sie nur zu gewissen Türen Zugang erlauben, wie wir das von herkömmlichen Schließsystemen gewohnt sind, sie können aber auch z.B. zeitlich begrenzten Zugang zu nur bestimmten Räumen gewährleisten. Und wenn von diesen Schlüsseln mal einer verloren geht, kann man ihm einfach alle Berechtigungen streichen und der Finder hat trotz des Schlüssels keinen Zugang mehr zum Museum. Auch das heimliche Kopieren von Schlüsseln ist ausgeschlossen. Die Umrüstung ist verhältnismäßig einfach: Lediglich Schließzylinder müssen ausgewechselt werden, es müssen keine Kabel verlegt werden, keine Umbauten vorgenommen werden. Programmierbar ist das System über einen so genannten Programmierschlüssel. Eine Erweiterung der vorhandenen Schließanlage mit der mitgelieferten Software ist problemlos möglich. Das System kann in vielen bekannten Schließzylinderausführung geliefert werden: Vom Halb-, Doppel-, Knauf-, Schalt-, Hebel- über Möbelzylinder bis hin zu Hangschloss-Varianten und Spezialzylinder. Herstelleradressen beim Landschaftsverband.

Eine weitere interessante Neuerung aus dem Sicherheitsbereich: Nebelanlagen! Um bei einem Einbruch Diebstahls- und Vandalismusschäden in den ersten Minuten bis zum Eintreffen der Polizei zu verhindern werden innerhalb kürzester Zeit die betroffenen Räume mit bis zu 20 Kubikmeter pro Sekunde undurchdringlichem Nebel gefüllt. Und, wie die Anbieter schreiben, was man nicht sehen kann, kann man nicht stehlen. Der Nebel bleibt ca. 30 Minuten im Raum stehen, ist dabei - bei vorgesehenem Gebrauch - unbedenklich für Menschen und Tiere, Möbel, elektronische Geräte sowie Lebensmittel und bildet keine Rückstände. Diese Nebelanlagen können an praktisch alle Alarmanlagen angeschlossen werden, sind aber auch als eigenständiges Sicherheitssystem in Verbindung mit Bewegungsmeldern, Alarmsirene und Scharfschalteeinrichtung einsetzbar.

Und so sind wir schon beim Thema Alarmanagen: Der Erfindergeist ist bei diesem Thema nahezu unendlich, alles kann geschützt werden und auch gegen alle Einflüsse.

Sensoren für jeden Einsatzort und jede Art der Auslösung: Türen, Fenster, Dachfenster, Rolltore usw. geben Alarm, sobald sie geöffnet oder zerstört werden, Gasmelder melden mit verschiedenen Methoden erfaßte Gase bzw. Rauch, auch unterschiedliche Gase, ganze Raumbereiche können mit unsichtbaren Laserstrahlen gesichert werden, wie man das auch aus diversen Kinofilmen kennt, Bodenkontakte melden, sobald sich jemand einem neuralgischen Punkt nähert, Bewegungsmelder zeigen an, wenn sich jemand unberechtigt einem Bereich nähert, usw.. Besonders beeindruckend finde ich sogenannte kapazitive Sicherheitssysteme: Individuell wird mit diesen Systemen um einen zu schützenden Gegenstand ein Magnetfeld aufgebaut. Jegliche Störung dieses Feldes löst Alarm aus.

Noch weiter als die Raumsicherung geht die Vitrinensicherung. Es gibt Vitrinen aus Glas, das einen Beschuss mit panzerbrechenden Waffen aushält. Es werden innerhalb einzelner Vitrinen Magnetkontakte, Bewegunsmelder und sogar Erschütterungsmelder eingesetzt, so daß es auch nicht möglich ist, ohne Alarm die gesamte Vitrine zu entfernen. Solche Vitrinen können so gebaut werden, daß die zu schützenden Objekte in den Stahlkorpus der Vitrine versenkt werden, sobald der Alarm ausgelöst wird, und dort bleiben, bis das Museumspersonal sie wieder hochfahren läßt. Glasscheiben werden im Alarmfall vor empfindlichen, im Normalfall aber zugänglichen Objekten hochgefahren und schützen sie dann vor Zugriff und Löschwasser. Und hier sind wir nun beim Thema Löschwasser: Nicht nur Feuer, auch Wasser kann historische Objekte bis hin zum Totalverlust schädigen. Eine Sprenkleranlage ist sicherlich geeignet, das Ausbreiten von Feuer zu verlangsamen und vielleicht auch zu verhindert, die Objekte aber sind danach Wassergeschädigt. Anders bei der Technik, im Brandfall unter hohem Druck Wassernebel einzusprühen: Auf diese Weise werden Wasserschäden minimiert, die feuerlöschende Wirkung jedoch optimiert.

Spektakuläre Katastrophen für historische Kulturgüter haben in den letzten Jahren auch die Entwickler von Sicherheitstechnik zu neuen Überlegungen geführt. Sicherlich kann das Absacken eines Archivs in eine U-Bahn-Baustelle nicht durch Bewegungsmelder verhindert werden. Einen Brand aber zu verhindern, indem das Gebäude (vielleicht auch nur außerhalb der Öffnungszeiten?) so wenig Sauerstoff enthält, daß kein Feuer davon genährt werden kann, Menschen darin aber für einige Stunden ohne Beschwerden arbeiten können, ist eine sehr überzeugende Idee und wird schon auf Messen in einem Zelt mit derartiger Atmosphäre vorgeführt. Auch hierzu Firmenadressen beim Landschaftsverband.

 

Dezember 2011